„7 Tage undercover auf Dunkelfacebook“ nennt die  Illustratorin und Journalistenschülerin Jasmin Schreiber aus Hamburg ihre Reportage aus Sicht des Fake-Profil „Melanie“. Eine Woche lang ist sie unterwegs in einschlägigen Facebookgruppen wie HeimatliebeMerkel muss weg, Volksabstimmung, Absetzung Bundesregierung, Deutschland den Deutschen oder Wir sind das VOLK. Probleme bei der Kontaktaufnahme hat sie keine.

Dabei hat Schreiber sich noch nicht einmal besonders Mühe mit der Gestaltung ihres fiktiven Alter Egos gegeben: „Melanie“ ist 54 Jahre alt, wohnt in Sachsen-Anhalt, ist verheiratet, Mutter und hat Angst vor dem Islam. Eine Deutschland-Flagge als Headerbild und ein Katzenfoto als Profilbild - mehr ist nicht nötig, um Mitglied bei rechten und rechtsradikalen Facebook-Gruppen zu werden und mehr als 100 neue Freunde zu sammeln. Mehr ist auch nicht nötig, um erstaunlich intime Details von diesen neuen Kontakten zu erfahren.

Bilder von der Familie

Bei ihrer „Undercover-Reportage“ geht es der Bloggerin nicht darum, Privatpersonen bloßzustellen. (Die Namen aller in der Reportage erwähnten Personen hat sie geändert.) Es geht ihr darum, zu erfahren, welche Menschen das sind, die sich hinter dem Hass und der Angst verbergen.

Da ist beispielsweise „Anja“, ebenfalls Mutter. „Anja“ erzählt der ihr wildfremden „Melanie“ von der Sorge um den Sohn, der bei einem Bundeswehreinsatz in Mali ist. Sie schickt Bilder von ihrer Familie und ihren Hunden, sie mag Putin und Russland, und sie hasst Angela Merkel, wünscht ihr - wie viele aus dem rechten Lager - sogar den Tod.

Grenzenlose Gutmütigkeit gegenüber Deutschen

Niemals hätte die Bloggerin damit gerechnet, dass sich die Menschen so schnell so naiv und blauäugig öffnen würden. „Sie schwanken irgendwo zwischen Angst vor allem Fremden und einer grenzenlosen Gutmütigkeit Menschen gegenüber, die Deutsch sind.“

Die Timelines ihrer neuen Freunde sind voll von Postings, die Ängste und Ressentiments gegen Migranten und Flüchtlinge schüren. So erhält „Melanie“ Tipps, wie sie sich gegen Angriffe von Fremden und wie sie ihren Hund als Waffe einsetzen kann, liest von „Meinungsdiktatur! Merkeldiktatur! Gesinnungsterror!“ oder: „Merkel ist wie Hitler, sie unterdrückt das Volk!“

Zunehmend bereiten die Postings ihr Kopfschmerzen. Und Angst, weil „viele dieser Menschen tatsächlich gefährlich sind. Anja vielleicht nicht, aber Klaus, der gerne mal einen Flüchtling verprügeln würde und Messer sammelt.“

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