Michael Bloomberg in Las Vegas (Archivbild).
Foto: dpa/John Locher

BerlinEin freundlicher Empfang sieht anders aus. „Er soll ruhig kommen“, sagte Vizepräsident Joe Biden und winkte mit beiden Händen, als freue er sich auf den ersten heftigen Konter. Senator Bernie Sanders kommentierte schroff: „Wir glauben nicht, dass Milliardäre das Recht haben, sich eine Wahl zu kaufen.“ In dem mit 18 Kandidaten ohnehin schon überfüllten Bewerberfeld für die demokratische US-Präsidentschaftskandidatur ist man wenig erfreut über den jüngsten Zuwachs.

Etwas anderes dürfte Michael Bloomberg kaum erwartet haben. Schließlich ist der  extrem späte Einstieg des 77-jährigen Finanz- und Medienmoguls in das Rennen ums Präsidentenamt ein offenes Misstrauensvotum gegen die Wettbewerber. „Ich bewerbe mich als Präsident, um Donald Trump zu besiegen und Amerika wiederaufzubauen“, erklärte er. Trump stelle eine „existenzielle Bedrohung für unser Land“ dar.

Trump sei eine existenzielle Bedrohung 

Dass der Auftritt des selbstbewussten Nachzüglers mediale Wählen schlägt, hängt vor allem mit dessen Reichtum zusammen. Mit einem Vermögen von etwa 54 Milliarden Dollar gehört der ehemalige Bürgermeister von New York zu den reichsten Menschen der Welt. In seinem Bewerbungsvideo präsentiert er sich als „Arbeitsplatzschaffer“, „Anführer“ und „Problemlöser“.

Kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war Bloomberg als Nachfolger von Rudy Giuliani zum Bürgermeister von New York gewählt worden, damals noch als Republikaner.  Ideologisch ist die Kandidatur von Bloomberg, der 2016 für Hillary Clinton warb und 2018 zu den Demokraten wechselte,  eine Kampfansage an den linken Kurs von Elizabeth Warren und Bernie Sanders.

Neuer Wind

Nach dem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt hat Bloomberg für strengere Waffengesetze und den Kampf gegen den Klimawandel geworben. Er befürwortet eine Ausweitung von Obamacare und hat jüngst vage Sympathien für eine Anhebung der Steuern für Reiche geäußert. Seine Unterstützer führen ins Feld, dass er überparteilich angesehen sei und ins Lager der enttäuschten Trump-Wähler strahlen könne.

Bei Umfragen unter Demokraten kam der Milliardär zuletzt aber nur auf zwei Prozent der Stimmen. Nicht nur sein Reichtum stößt an der Basis übel auf, sondern auch frühere sexistische Kommentare und seine Unterstützung für die „Stop-and-frisk“-Polizeitaktik, die willkürliche Kontrollen erlaubte und vor allem Latinos und Schwarze traf. Erst vor einer Woche hat Bloomberg sich in einer schwarzen Kirche in Brooklyn für diese Politik entschuldigt.