„Bolsonaro raus“ fordern Demonstranten bei einem Protestmarsch gegen den brasilianischen Präsidenten in Manaus, Brasilien, am 2. Juni.
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BrasilienEs ist ein Zeichen des Versagens. Die brasilianische Regierung hat entschieden, die Gesamtzahl der Corona-Infektionen und -Todesfälle nicht mehr im Internet zu veröffentlichen. Sie spiegelten nicht die aktuelle Lage im Land wider, begründete Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro die Maßnahme.

Brasilien gehört zu den am härtesten von der Pandemie getroffenen Ländern der Welt, und Bolsonaro ist mit seinem Verständnis von Krisenmanagement bislang kläglich gescheitert. In der Vergangenheit hat er die Corona-Pandemie als „kleine Grippe“ bezeichnet, seine Kritiker im Gesundheitsministerium austauschen lassen oder mundtot gemacht und stattdessen vorschnelle Lockerungen der Corona-Maßnahmen gefordert.

Nun hat der Rechtspopulist also einen weiteren jämmerlichen Versuch unternommen, Herr der Lage zu werden und damit die eigene Macht zu erhalten, die zunehmend bröckelt. Dafür geht Bolsonaro – buchstäblich – über Leichen.

Natürlich besteht die Gefahr, dass hohe Opferzahlen oder Fachleute, die sich gegenseitig widersprechen, die in der Corona-Krise ohnehin herrschende Verunsicherung verstärken. Doch es hat sich auch gezeigt, wie hoch gerade jetzt der Informationsbedarf der Menschen ist. Und wie wichtig es ist, Falschmeldungen und Gerüchten immer wieder mit sorgfältig recherchierten Fakten und – wenn nötig – auch mit Korrekturen überholter Erkenntnisse zu begegnen. Wo Informationen vorenthalten werden, entstehen hingegen erst recht Angst und Unsicherheit.

Am Ende ist es eine Frage des Respekts: Die Güte einer Regierung bemisst sich nicht zuletzt darin, wie ernst sie die Menschen nimmt, die ihr die Aufgabe, das Land zu führen, anvertraut haben. Wie sehr sie sie als mündige Bürger versteht, denen zuzutrauen ist, Wahrheiten auszuhalten und sorgfältig recherchierte Fakten einzuordnen. Das gilt nicht nur in der Corona-Krise.

Bolsonaro ist nicht der Einzige, der das nicht verstanden hat. Er reiht sich ein in die Riege derjenigen Staatschefs, die ihr Amt Tag für Tag missachten. Und mit ihm die eigene Bevölkerung.