Die britische Boulevard-Zeitung The Sun attackiert Boris Johnson ungewöhnlich scharf: Die vom britischen Premierminister verkündete massive Erhöhung der Sozialabgaben werde „uns alle ärmer machen“ – und doch nicht den erhofften Erfolg bringen: Die Zustände im britischen Gesundheitswesen würden so verheerend bleiben wie jetzt, daran werde auch die von Johnson nun verkündete Rettung des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) nichts ändern.

Mit Corona sind alle Dämme gebrochen: Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, stunden- oder tagelange Wartezeiten sowie eine knallharte Zwei-Klassen-Betreuung von Patienten sind der Alltag. Genau diese Zustände werden jedoch anhalten. Denn der wahre Grund für die historische Belastung der einfachen britischen Männer und Frauen: Die staatliche Altersvorsorge ist am Ende. Großbritannien steht vor dem demografischen Kollaps. Die finanziellen Löcher sind so groß, dass der Staat den Bürgern noch mehr in die Tasche greifen muss. Eine solche Interventionspolitik war den Briten und dem in Oxford ausgebildeten, Super-Liberalen Johnson bisher ein Gräuel.

Was die Briten in diesen Tagen besonders gegen Johnson aufbringt ist der Umstand, dass die zusätzlichen 36 Milliarden Pfund wie eine Steuer von den Löhnen abgezogen wird. Eine Zweckbindung gibt es nicht – die Regierung kann mit dem Geld machen, was sie will. Die britischen Superreichen dagegen, die ihre Vermögen außerhalb der normalen Arbeitswelt verwalten und vermehren, werden nicht angefasst.

Die Neue Zürcher Zeitung beschreibt das Dilemma: „Arbeitnehmer müssen nun jährlich einige Hundert Pfund mehr von einem Durchschnittslohn an den Staat abgeben, damit auch pflegebedürftige Millionäre ihr Eigenheim an die Kinder vererben können.“ Johnson, der Star des Brexit, steht damit vor den Trümmern seiner politischen Karriere. Es ist denkbar, dass das Königreich nach „BoJo“, sozial gesehen, auch nur noch eine Ruine ist.