Boris Palmer und seine Meinung zum Impfen seiner Kinder

Es ist ärgerlich, dass es eine Schlagzeile wert ist, wenn sich jemand an die Empfehlung der Fachleute hält. Das sagt einiges über den Gemütszustand des Landes.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Die Grünen/Bündnis 90)
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Die Grünen/Bündnis 90)imago/ULMER Pressebildagentur

Berlin-Boris Palmer sorgt wieder für Schlagzeilen: Der Grüne Oberbürgermeister von Tübingen will seine Kinder nicht impfen lassen. Das ist der Bild-Zeitung eine Meldung wert. Das ist wenig überraschend, aber eigentlich ärgerlich.

Es sagt einiges über den aktuellen Gemütszustand der Republik. Natürlich hätte der Mann mit dem Hang zum Populismus schweigen können, wenn ihm die schlagzeilenträchtige Frage gestellt wird. Aber er hat seine Meinung gesagt. Wie üblich. Und das ist sein Recht.

Am Montag haben die Gesundheitsminister gegen den Willen der Ständigen Impfkommission (Stiko) eine Impfung für Kinder ab zwölf Jahre empfohlen. Palmers drei Kinder sollen nicht älter sein. Damit erübrigt sich die Frage.

Was soll dann die Schlagzeile? Der Mann hält sich an die Fachleute. Auch das ist sein gutes Recht. Aber die Schlagzeile klingt so, als täte er etwas Verbotenes. Übrigens wollen die meisten Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren diese laut Umfragen nicht impfen lassen.

Nur als Einordnung: Der Shitstorm wäre richtigerweise groß, wenn jemand Kanzlerin Merkel verurteilen würde, weil sie keine Kinder hat. Das sind höchst private Angelegenheiten. Es gibt weder die Pflicht, Kinder zu bekommen noch sich impfen zu lassen. Auch wenn beides für die meisten Usus ist und das Kinder-Haben richtig schön sein kann.

Die Schlagzeile ist ein Negativbeispiel. Damit werden Impfskeptiker wohl kaum davon überzeugt, sich im Sinne der Allgemeinheit doch noch impfen zu lassen.

Etwas übertrieben gesagt, kann die Demokratie als Diktatur der Meinungsfreiheit bezeichnet werden. Derzeit zeigt sie sich nicht immer von ihrer besten Seite. Deshalb: Bitte ein bisschen weniger Verbissenheit, dafür etwas mehr Toleranz und vor allem mehr gute Argumente.