Washington - Es war eine ungewöhnliche Versammlung, die David H. Rank zum Wochenbeginn in der amerikanischen Botschaft in Peking abhielt. Der amtierende Botschafter hatte seinen Mitarbeitern eine wichtige Mitteilung zu machen. „Als Vater, Patriot und Christ“, erklärte der Karrierediplomat nach Angaben von Teilnehmern, könne er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren, die chinesische Führung offiziell über die Aufkündigung des Pariser Klimaschutzabkommens durch seine Regierung zu informieren. Er habe deshalb seinen Abschied aus dem diplomatischen Dienst eingereicht.

Protestnote gegen Einreiseverbot

Ranks Kündigung, über die mehrere US-Medien berichten, ist die bislang spektakulärste Aktion in einer leisen Revolte unter amerikanischen Diplomaten gegen die rüde Politik von Präsident Donald Trump. Schon im Januar hatten etwa 1000 Mitarbeiter des Washingtoner Außenministeriums eine Protestnote gegen das pauschale Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Staaten verfasst, das inzwischen von den Gerichten gekippt wurde. In den vergangenen Tagen haben sich nun auch die US-Botschafterin in Katar und der amtierende US-Botschafter in London in Twitter-Botschaften offen gegen den Präsidenten gestellt.

„So eine Situation ist höchst ungewöhnlich im Auswärtigen Dienst“, sagte Nicholas Burns, der als Außen-Staatssekretär unter Ex-Präsident George W. Bush diente, der „New York Times“. Normalerweise seien Karrierediplomaten stolz auf ihre Überparteilichkeit: „Man dient jedem Präsidenten zu 150 Prozent.“ Mit diesem Anspruch hatte offenbar auch David H. Rank seinen Job in den vergangenen 27 Jahren ausgeübt. Kollegen beschreiben ihn in der „Washington Post“ als Inbegriff eines unparteiischen Diplomaten: „Ich hätte bis heute nicht sagen können, welcher Partei er zuneigt“, sagte Dan Feldman, der mit Rank gemeinsam in einer früheren Verwendung in Afghanistan arbeitete.

Botschafter widerspricht Trump

Der amtierende US-Botschafter in London, Lewis A. Lukens, hat hingegen zuvor enger mit der früheren Außenministerin Hillary Clinton zusammengearbeitet und ihre Auslandsreisen koordiniert. Dafür widersprach er Trump – anders als Rank – am Sonntag nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich. Nachdem der US-Präsident ein Zitat des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan verfälscht und ihm auf Twitter vorgeworfen hatte, er verharmlose den jüngsten Terror-Anschlag, schrieb Lukens auf dem offiziellen Account der US-Botschaft: „Ich möchte die Führungsstärke des Bürgermeisters von London loben, der die Stadt nach dieser abscheulichen Attacke nach vorne führt.“

Als der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, kurz darauf in einem Tweet „meinem Bruder Sadiq Khan“ für alles dankte, was er für die Menschen in London leiste, wurde diese Nachricht von einer weiteren Diplomatin retweetet: Dana Shell Smith ist US-Botschafterin ausgerechnet in Katar, das derzeit im Mittelpunkt einer dramatischen Krise steht. Mit dem Lob für Khan unterstützt Smith die Kritiker von Präsident Trump, der den Londoner Bürgermeister weiterhin bepöbelt und ihm vorwirft, er versuche mit „peinlichen  Ausreden“  von seiner Fehlleistung abzulenken.

Schon im vergangenen Monat hatte Smith ihre Verärgerung über Trump öffentlich gemacht. Es sei für sie „zunehmend schwierig“, morgens am Golf mit Nachrichten aus der Heimat konfrontiert zu werden, wenn sie den Tag damit zubringe, die amerikanische Demokratie und die Institutionen zu erklären, monierte die Diplomatin auf Twitter.

Anders als Rank und Lukens ist Smith offizielle Botschafterin der USA in dem Golfstaat. Ihre beiden Kollegen führten oder führen die US-Vertretung als „Chargé d’Affaires“ interimsmäßig bis zur Ankunft des neuen, von Trump bestellten Botschafters. Doch zahlreiche Positionen im Auswärtigen Dienst der USA sind nach wie vor unbesetzt, weil Trump mit den Nominierungen nicht nachkommt. So muss der künftige Botschafter in Peking, Terry Branstad, zunächst noch einen diplomatischen Crash-Kurs durchlaufen. Für die amerikanische Vertretung in Großbritannien ist offiziell – ähnlich wie für die Vertretung in Deutschland – noch gar kein neuer Botschafter nominiert.