Der frühere hessische Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat die Vernehmung eines Geheimdienst-Informanten aus der rechten Szene im Jahr 2006 offenbar verhindert, um Ermittlungen in der islamistischen Szene nicht zu gefährden. In Wiesbaden heißt es, sein „Sperrvermerk“ habe gleich für fünf V-Leute gegolten, die dem Verfassungsschutz-Mitarbeiter Andreas T. Informationen zulieferten. Nur einer davon sei aus der rechtsextremen Szene gekommen; vier weitere seien radikale Islamisten gewesen.
T. war während des Kasseler Mordes im Jahr 2006 am Tatort gewesen und hatte sich verdächtig gemacht, weil er sich als einziger der damaligen Kunden des Internet-Cafés nicht anschließend bei der Polizei gemeldet hatte. Ermittlungen gegen ihn wurden jedoch eingestellt – und nach einer neuerlichen Prüfung durch die Bundesanwaltschaft im Jahr 2012 auch nicht wieder aufgenommen, weil sich kein Anfangsverdacht ergab.
Im Zuge dieser Ermittlungen wurde der rechtsextreme V-Mann von der Bundesbehörde vernommen – mit Aussagegenehmigung des hessischen Verfassungsschutzes. Zu diesem Zeitpunkt war der Kasseler Mord bereits der Serie des Neonazi-Trios „Nationalsozialistischer Untergrund“ zugeordnet worden, so dass sich das Interesse der Ermittler auf den Rechtsextremisten und nicht auf die Islamisten konzentrierte.
Noch 2006 hatte Bouffier mit seinem Sperrvermerk verhindert, dass Polizei und Staatsanwälte in Kassel den Informanten befragen konnten. Sie hatten ihre Fragen schriftlich vom Verfassungsschutz beantwortet bekommen.

Die Drähte glühen

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