Die Vorzimmerdame reagiert gereizt. Nein, sagt sie, der Bürgermeister sei nicht zu sprechen. Michael Latz sei von morgens bis abends beschäftigt, der arme Mann habe nicht eine freie Minute. Wieso das Dorfoberhaupt von Correns Mitte August Schwerstarbeit zu verrichten hat, während der Rest der französischen Nation süßem Nichtstun frönt, sagt die Frau nicht. Es versteht sich wohl von selbst. Die Hochzeit des Jahres hält den Lokalpolitiker in Atem.

In dem 800-Seelen-Nest zweifelt jedenfalls kaum jemand daran: Angelina Jolie und Brad Pitt, seit vier Jahren Bürger der Gemeinde, werden sich hier auf halbem Weg zwischen Marseille und Nizza das Jawort geben. In der romanischen Kapelle des Gutshofs Miraval, den das Paar mitsamt 400 Hektar Land erworben hat, werden die Hochzeitsglocken läuten. Die Hollywoodstars, die sich bei den Dreharbeiten zu „Mr. and Mrs. Smith“ verliebten und vor vier Monaten verlobten, werden aus dem Dunkel der Kapelle ins gleißende Licht treten, wo sich die südfranzösische Natur zurzeit von ihrer verführerischsten Seite zeigt: Schirmpinien, Thymian und Lavendel verströmen schweren Duft, Olivenhaine glitzern silbern in flimmernder Luft, Zikaden zirpen, Tauben gurren, Bienen summen, und die Sonne scheint sowieso.

Der Goldschmied Dominique Eelbo ist sich absolut sicher, dass es so kommen wird – und zwar sehr bald. „Ich habe im Rathaus aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass Brad Pitt dort bis auf zwei Dokumente bereits sämtliche zur Heirat erforderlichen Urkunden eingereicht hat“, erzählt der 58-jährige Franzose holländischer Abstammung. „Die zwei werden demnächst hier heiraten, womöglich schon an diesem Wochenende“, prophezeit er und fügt mit verklärtem Blick hinzu: „Das wär’s doch, wenn die beiden, frisch getraut, Arm in Arm, bei mir ein Collier kauften!“

Kleine Feier mit bis zu 30 Leuten

Angelina Jolies Cousin, Martin Poucher, lag also nicht ganz falsch, als er vergangene Woche verkündete, Brad und Angelina würden demnächst in Correns Hochzeit feiern. Eine Feier in kleinem Kreis sei geplant, 20 bis 30 Gäste seien eingeladen, hatte Poucher wissen lassen.

Nicht nur der Goldschmied, ganz Correns scheint vom Hochzeitsfieber gepackt. Die Bäckerin erzählt von einem am Vortag gesichteten Hubschrauber. „Das waren sie“, versichert die Frau, während sie Schokoladencroissants in eine Tüte gleiten lässt. Sie – das Wort umfasst neben den Brautleuten in spe so ziemlich jeden, der zum Freundeskreis des Paares gehört: Brad Pitts Freunde George Cloony, Johnny Depp und Quentin Tarantino, die sechs Kinder des Paares, drei eigene und drei adoptierte, aus Nizza einfliegende Privatlehrer und Bodyguards.

Die Dorfältesten dämpfen derweil die Erwartungen. „Womöglich bekommen wir von dem Weltereignis überhaupt nichts mit“, sagt ein Rentner zweifelnd. Ein anderer nickt, fügt hinzu, dass die Hollywood-Schönheit Angelina Jolie in den vergangenen zwölf Monaten weltweit 78 Mal das Titelblatt einer Zeitschrift geziert habe, sich in den Gassen von Correns aber kein einzige Mal habe blicken lassen. „Die zwei schotten sich ab, die wollen von uns nichts wissen“, versichern die Männer. Doch das stimmt nicht ganz.

Cathérine hat Angelina Jolie in Correns gesehen. Die Mittfünfzigerin ist der Amerikanerin im Proxi-Supermarkt sogar regelrecht in die Arme gelaufen. Es ging nicht anders. Der Gemischtwarenladen ist kaum größer als ein Wohnzimmer. Die der Französin als Filmfigur Lara Croft bekannte Schauspielerin stand an der Kasse, zur Rechten blaue Plastikstiegen, aus denen Tomaten und Zucchini quollen, zur Linken ein hüfthoher Baguettekorb. „Ich kam hinzu und wusste nicht, was ich sagen sollte“, erzählt Cathérine. „Und dann klingelte auch schon die am Türknauf angebundene Messingglocke und der Filmstar war entschwunden.“

Grundstück unter strenger Bewachung

Wer Angelina Jolie und Brad Pitt gezielt näherzukommen versucht, stößt schnell an Grenzen. Ein Gitter verstellt die Zufahrt zur zwei Kilometer langen Straße nach Miraval. Überwachungskameras registrieren das Geschehen an der Sperre, Halogenscheinwerfer beleuchten das Areal rund um die Uhr. Auf der anderen Seite des Gitters patrouilliert ein schwarz gekleideter Privatpolizist, dessen muskelbepackter Oberkörper die Reißfestigkeit des Hemds auf eine harte Probe stellt. Unbefestigte Wege, die ebenfalls nach Miraval führen, erweisen sich als Sackgassen. Verbotsschilder, aufgeschüttete Felsbrocken und Hundegebell lassen es ratsam erscheinen, den Rückweg anzutreten.

Der Imker Arnaud Rocheux kennt das Anwesen. Früher war er oft in Miraval, damals, als das Gut noch Weinbauern gehörte. Als Kind habe er dort im See gebadet, erzählt der vollbärtige Franzose. Seine Eltern hätten in Miraval am Wochenende häufig ein Picknick gemacht und manchmal auch beim Winzer ein paar Flaschen Rotwein erstanden. Jäger hätten in den zum Anwesen gehörenden Wäldern Wildschweinen nachgestellt. „Da lässt sich bestimmt traumhaft eine Hochzeit feiern“, sagt Rocheux.