Backnang - Acht Angehörige einer türkischstämmigen Familie sterben in ihrer Wohnung im schwäbischen Backnang in den Flammen: Eine Mutter und ihre Kindern sind Opfer des Großbrandes. Die Brandermittler gehen weiter davon aus, dass die Katastrophe keinen fremdenfeindlichen Hintergrund hat. „Ein technischer Defekt im Gebäude ist am wahrscheinlichsten“, sagte der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder am Montag in Backnang. Laut einem Polizeisprecher konzentrieren sich die Ermittler bei ihren Untersuchungen nun auf die Hauselektrik, die Medienberichten zufolge nicht mehr die neueste gewesen sein soll. Möglicherweise löste ein Holzofen das verheerende Feuer aus. Michelfelder sagte, derzeit gebe es keine Anhaltspunkte für andere Brandursachen. Man ermittele dennoch in alle Richtungen.

Eine genaue Aussage könne man aber noch nicht treffen, dämpften die Ermittler Hoffnungen auf schnelle Ergebnisse. „Die Ermittlungen in diesem Zusammenhang dauern mit Sicherheit noch einige Tage, wenn nicht Wochen“, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit.

Ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge starben in der Nacht zum Sonntag eine 40 Jahre alte Mutter türkischer Herkunft und sieben ihrer zehn Kinder im Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren. Drei Familienmitglieder wurden gerettet, vermutlich einer der Söhne, ein Onkel und die Großmutter. Das Feuer war in einem Häuserkomplex einer ehemaligen Lederfabrik ausgebrochen. Die Flammen schlugen vom ersten Obergeschoss aus schnell auf die Etage darüber. Nach ersten Angaben starben die Opfer im Schlaf- und Kinderzimmer an Rauchvergiftungen und verbrannten dann. „Wir gehen davon aus, dass die Familie im Schlaf überrascht wurde“, sagte der Polizeisprecher.

Türkei setzt zunächst keine Spezialisten ein

Der türkische Botschafter sprach den deutschen Sicherheitsbehörden sein volles Vertrauen aus. „Es handelt sich um ein technisches, kriminaltechnisches Verfahren, es gibt keinen Anlass, dass wir nicht vertrauen sollten“, sagte Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu bei dem Pressegespräch in der Moschee. Er war gemeinsam mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach Backnang gekommen. Auch sollten zunächst keine türkischen Spezialisten eingesetzt werden. Zuvor hatte Kriminaldirektor Michelfelder angeboten, auch türkische Experten an den Ermittlungen zu beteiligen.

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hatte nach dem Brand eine vollständige Aufklärung gefordert und angekündigt, sein Land werde der Sache auf den Grund gehen. Weiter hatten türkische Medien zuvor berichtet, die türkische Oppositionspartei (Republikanische Volkspartei) hätte bereits zwei Mitglieder nach Deutschland entsandt, um die Lage vor Ort in Augenschein zu nehmen. Seine Partei erwarte eine Aufklärung der Umstände, die alle Zweifel ausräumen müsse, sagte der CHP-Auslandskoordinator Ali Kilic demnach.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bestürzt auf den tödlichen Brand im schwäbischen Backnang reagiert. Die Kanzlerin sei zutiefst erschüttert über die furchtbare Brandkatastrophe, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, habe dem türkischen Botschafter am Sonntag im Namen der Bundesregierung kondoliert. Das Kanzleramt habe der baden-württembergischen Staatskanzlei jedwede Hilfe zugesagt. Mit Blick auf skeptische Äußerungen aus der Türkei zur deutschen Ermittlungsarbeit sagte Streiter: „Die Bundeskanzlerin hat keinen Zweifel, dass die zuständigen Stellen nicht ruhen werden, bis die Brandursache aufgeklärt ist.“ (dpa)