Titisee-Neustadt - Der verheerende Brand mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt ist durch eine Gasexplosion ausgelöst worden. Es sei aus noch unbekannten Gründen unkontrolliert aus einem mobilen Heizofen ausgetreten und habe sich entzündet, sagte ein Sprecher der Freiburger Staatsanwaltschaft am Dienstag in der Schwarzwald-Gemeinde unter Verweis auf erste Ermittlungen. Das Unglück löste überregional Bestürzung aus.

Weitere Untersuchungen sollen nach Angaben der Behörden klären, wie es zu dem Defekt an den gasbetriebenen Ofen in der Werkstatt kam. „Das steht noch nicht fest. Die Ermittlungen sind insofern nicht abgeschlossen“, sagte der Staatsanwaltschafts-Sprecher.

Verfahren wegen fahrlässiger Tötung

Seine Behörde leitete ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Brandstiftung ein. Dies bedeute zunächst aber nicht, dass die Ermittler Hinweise darauf hätten. Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Tat gebe es nicht. „Es spricht alles für ein Unglück“, betonte er.

Bei dem Feuer in der Einrichtung des katholischen Hilfswerks Caritas waren am Montagnachmittag 13 Behinderte im Alter zwischen 28 und 68 Jahren sowie eine 50-jährige Betreuerin ums Leben gekommen. Nach neuesten Angaben wurden neun Menschen schwer und weitere fünf leicht verletzt. Es war eine der schwersten Brandkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland.

#gallery
Das Unglück löste in der Region und weit darüber hinaus große Trauer und Bestürzung aus. Papst Benedikt XVI. ließ nach Angaben des Freiburger Erzbistums ein Beileidstelegramm übermitteln. „Papst Benedikt XVI. gedenkt der bei diesem tragischen Unfall ums Leben gekommenen Menschen in seinem Gebet und versichert den Angehörigen der Opfer seine tief empfundene Anteilnahme“, heißt es darin. Das Bistum richtete am Dienstag außerdem ein Trauerportal im Internet ein.

In Titisee-Neustadt soll am Samstag mit einem Gedenkgottesdienst im Neustädter Münster der Toten gedacht werden, wie Bürgermeister Armin Hinterseh (CDU) am Dienstag mitteilte. „Die Bevölkerung ist sehr tief betroffen.“ Die Stadt werde ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen und die von dem Brand schwer betroffene Caritas einrichten, die Stadt erreichten bereits zahlreiche Hilfsangebote. Laut Stadtverwaltung wurde zudem ein Weihnachtsmarkt abgesagt.

Freiburgs Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer betonte, in der Werkstatt sei hinsichtlich der Brandschutzvorkehrungen alles „absolut ordnungsgemäß“ gewesen, auch der Einsatz der insgesamt 400 Rettungskräfte habe „vorbildlich“ geklappt. Nur elf der nach ihren Angaben 97 aus dem Gebäude geretteten Personen hätten von Feuerwehrleuten in Sicherheit gebracht werden müssen, die übrigen hätten das allein geschafft. Auch für Rollstuhlfahrer habe es Fluchtwege gegeben, die genutzt worden seien.

Nach dem Brandausbruch hatten Rauch und Feuer ungewöhnlich schnell um sich gegriffen. Kreisbrandmeister Alexander Widmaier von der Feuerwehr sprach am Dienstag von einer „sehr schlagartigen Ausbreitung“. Die per automatischer Rauchmeldeanlage alarmierten Rettungskräfte hätten die betroffene Werkstatt sofort mit massivem Personaleinsatz und Wärmebildkameras abgesucht, den Opfer aber trotzdem nicht helfen können. Die Eindrücke traumatisierten die Helfer schwer, sagte er. „Wir haben bei den Einsatzkräften sehr starke Belastungen.“