Brauchen Politiker eine Ausbildung?

Bundesinnenministerin Nancy Faeser überrascht mit Äußerung im Bunte-Interview. Davon betroffen wäre auch SPD-Parteifreund Kevin Kühnert.

Bundesministerin Nancy Faeser spricht im Plenarsaal des Deutschen Bundestages.
Bundesministerin Nancy Faeser spricht im Plenarsaal des Deutschen Bundestages.imago/Future Image

Die SPD-Bundesinnenministerin sagte im Bunte-Interview: „Jeder Politiker sollte eine Ausbildung haben.“

Damit spricht sie vielen Bürgern aus der Seele. Nicht nur der fehlende Berufsabschluss, sondern auch der Mangel an Berufserfahrung einiger Politiker stoßen bei vielen Wählern sauer auf. So gibt es den ironisch gemeinten Dreiklang der Politikerkarriere – „Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal“.

Kein Abschluss, aber politisches Amt: Der Grund dafür liegt meist an der politischen Laufbahn des parteipolitischen Nachwuchses. Der politische Werdegang beginnt überwiegend mit den ersten Gehversuchen in einer der Jugendorganisationen und von dort aus geht es zur Mutterpartei. Mit viel Parteiarbeit und etwas Glück erreichen nur die wenigsten die oberste Stufe der Karriereleiter – das politische Mandat. Bei der ganzen Parteiarbeit, die einen in den Bundestag oder ins Landesparlament bringen soll, bleiben Berufsausbildung oder Studium oft auf der Strecke. Somit gibt es einige gewählte Abgeordnete, die keine Ausbildung haben. Die meisten haben ihr Studium abgebrochen oder nicht bestanden.

Die bekanntesten Vertreter unter ihnen sind der SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, die Bundesvorsitzenden der Grünen Ricarda Lang und Omid Nouripour sowie der CDU-Politiker Paul Ziemiak.

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Nach einer Auswertung des 19. Deutschen Bundestages waren 87 Prozent der Abgeordneten Akademiker. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen und FDP wiesen dabei den höchsten Akademiker-Anteil mit jeweils mehr als 90 Prozent auf.

Auch im aktuellen 20. Deutschen Bundestag sind Bundestagsabgeordnete ohne Abschluss eine Seltenheit. Die meisten haben einen Hochschulabschluss oder eine Berufsausbildung. Kritik gibt es immer wieder, dass es neben zu vielen Juristen und Beamten (Öffentlicher Dienst) zu wenig Facharbeiter und Meister gibt.

Idealerweise sollen der Deutsche Bundestag und die Landesparlamente das Bevölkerungsbild abbilden. Man kann es also auch so lesen: Politiker ohne Berufsabschluss sind repräsentativ für die zwei Millionen Bundesbürger, die keinen Berufsabschluss haben.