Berlin - „Lasst euch nicht täuschen!“ Ein einfacher Rat, der in Zeiten von Fake-News nicht einfach einzuhalten ist. Wie schnell sich nämlich falsche Nachrichten vor allem im Internet verbreiten und wer alles darauf hereinfällt, haben die Macher der Websiten „Hooligans Gegen Satzbau“ und „Hass hilft“ gezeigt – und wollten damit auf die Gefährlichkeit der gefälschten News aufmerksam machen.

Sie gaben sich kurzzeitig für den deutschen Ableger der umstrittenen und rechtspopulistischen Website „Breitbart News“ aus, die vor allem durch die Berichterstattung über Donald Trump bekannt wurde. Und auf dieses Fake-Spiel fielen so einige Nutzer herein.

Aber der Reihe nach: Bereits am 11. November, also kurz nach dem feststand, dass Donald Trump der nächste US-Präsident wird, sicherte sich ein deutscher Fotograf die Internet-Domain „breitbartnews.de“. „Nach der US-Wahl habe ich überlegt, was man gegen rechte Tendenzen machen kann, vor allem, weil Breitbart ja auch nach Deutschland und Frankreich expandieren wollte“, sagt der Berliner Maximilian, der seinen vollen Namen nicht preisgeben will, auf Anfrage. Da sei ihm als erstes eingefallen, dass Breitbart für die Aktivitäten in Deutschland auch entsprechende Internetadressen bräuchte – und dem wollte er vorbeugen.

„Mittlerweile habe ich gehört, dass sich auch in Frankreich jemand entsprechende Domains gesichert hat. Das freut mich natürlich.“ Breitbart hatte nämlich bereits im Herbst angekündigt, Büros in Berlin und Paris zu eröffnen, um auch die Wahlkämpfe in Deutschland und Paris zu beobachten. Passiert ist das jedoch bisher noch nicht.

Schnell hatte sich der Fotograf jedoch überlegt, die Domain irgendwann an eine Organisation abzugeben, die sich gegen Rechts engagiert – und leitete „breitbartnews.de“ schließlich ungefragt auf die Seite der „Hooligans Gegen Satzbau“ um, mit deren Arbeit er sympathisiert. „Abgeben werde ich sie auf jeden Fall nicht“, sicherte der Berliner zu. „Das könnte ja sonst wieder Breitbart zugutekommen.“

Die Macher von „hogesatzbau.de“ bestätigten auf Anfrage, dass sie nichts von der Weiterleitung auf ihre Website wussten – bis sie eine Interviewanfrage diesbezüglich bekamen. Nach den ersten Berichten erhielten sie zudem eine E-Mail von demjenigen, der die Facebookseite „Breitbart Deutschland“ seit geraumer Zeit führte. „Da er jedoch keine Zeit für die Pflege und auch keine rechte Idee hatte, was er mit ihr machen sollte, bot er uns an, sie an uns zu übertragen“, sagt jemand von „Hooligans gegen Satzbau“, der das Pseudonym Kiki Klugscheißer nutzt, auf Nachfrage. „Gesagt, getan – so waren wir unverhofft binnen Stunden ,Breitbart Deutschland‘.“

Aktivisten konfrontierten Fans

In kürzester Zeit folgten der Seite Tausende Abonnenten - doch Hogesatzbau ließ die Katze schnell wieder aus dem Sack und konfrontierte die Facebook-Gemeinschaft mit ihrer Fake-Aktion. Selbst Facebook wurde schnell auf die falsch geführte Seite aufmerksam und löschte sie umgehend. Mittlerweile ging HoGeSatzbau jedoch wieder online, um weiter über die Aktion zu berichten – ein „Ort der Dokumentation“, wie es Kiki Klugscheißer ausdrückt.

„Unser Ziel war es, deutlich darauf aufmerksam zu machen, wie leicht es doch sein kann, in die Irre geführt und instrumentalisiert zu werden“, so die Vertreterin der Initiative. Letztendlich wollten sie auf die Gefährlichkeit der falschen Nachrichten aufmerksam machen.

„Der Unterschied zu ,echten Fake-News‘ und unserer Aktion ist, dass wir die Situation von uns aus sehr schnell richtig stellen. In aller Konsequenz. So wurde ein Fake zur Realität deklariert, aber genauso schnell wieder als Fake entlarvt“, schreibt Hogesatzbau auch bei Facebook. Es scheine eben heutzutage kaum mehr möglich, jede Meldung zu prüfen und zu verifizieren.

Darum ist es umso wichtiger, verlässliche Quellen zu haben. Für Hogesatzbau zählen dazu vor allem Redaktionen von Zeitungen, Funk- und Fernsehanstalten. Doch alle müssten wohl überlegt handeln und eine „gute Ausgeglichenheit zwischen schneller Information und guter Recherche“ hinbekommen. Sie selbst, in der Rolle von Breitbart, hätten „nicht eine einzige Anfrage bekommen, die darauf abzielte mehr Informationen zu erhalten. Erst als wir den Fake auffliegen ließen, war der Rummel groß“.