Nun also Straßburg. Ein Mann mit einer Waffe, ein Weihnachtsmarkt, Tote und Verletzte. Und dann ein Täter auf der Flucht. Wie sich die Ereignisse gleichen. Fast genau zwei Jahre liegt in diesen Tagen der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz zurück. Was damals passierte, ist den Menschen dieser Stadt noch immer präsent. Jetzt trifft eine ganz ähnliche Tat die französische Stadt im Elsass.

Fahndung nach dem Terrorverdächtigen

Die Ermittler gehen bei dem tödlichen Anschlag in Straßburg mittlerweile von einem terroristischen Hintergrund aus. Die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge war es ein einzelner Mann, der am Dienstagabend in der weihnachtlich geschmückten Innenstadt um sich geschossen hat. Er hatte eine Handfeuerwaffe und ein Messer dabei.

Auf seinem Weg durch die Stadt tötete und verletzte er Menschen. Nach Schusswechseln mit Sicherheitskräften flüchtete er. Zwei Menschen sind nach Angaben des Chefermittlers ums Leben gekommen. Eine weitere Person sei hirntot. Zwölf Menschen wurden verletzt, sechs von ihnen sehr schwer. Der Terrorverdächtige ist 29 Jahre alt. Nach ihm wird gefahndet.

Erinnerung an Anschlag am Breitscheidplatz 2016

Wer nur die Nachrichtenlage verfolgt, kann den Eindruck gewinnen, dass sich die Ereignisse überschlagen. Über 600 Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber sind an der Fahndung beteiligt. Es gab vorübergehende Festnahmen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters. Das Europaparlament in Straßburg begann seine Sitzung am Mittwoch im Gedenken an die Opfer. Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster fordert als Konsequenz ein europäisches Terrorabwehrzentrum.

In Berlin zeigt sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller erschüttert. „Wir in Berlin denken angesichts des Geschehens von gestern Abend sofort an den brutalen Terrorangriff auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz am 19. Dezember vor zwei Jahren“, sagt er. Berlin habe sich trotz der menschenverachtenden Gewalttat entschlossen, an seiner freiheitlichen, toleranten und weltoffenen Lebensweise festzuhalten. „Wir wünschen auch Straßburg diese Kraft“, sagt Müller.

Am Breitscheidplatz spürt man am Mittwoch, was er wohl meint. Der Markt ist gut besucht. Menschen stehen an den kleinen Tischchen vor den Buden, genau dort, wo vor zwei Jahren der Terrorist Anis Amri einen Sattelschlepper in die Menge steuerte und dabei elf Menschen tötete und über 70 zum Teil schwer verletzte. Es riecht nach Glühwein und Zimt. Als ein Mann im Vorübergehen Explosionsgeräusche nachmacht, reagiert niemand. Die Leute an den Tischen unterhalten sich einfach weiter – über Weihnachten, die Arbeit, die Kinder. Wenn man sie nach Straßburg fragt, äußern sie sich mitfühlend, aber es schreckt sie nicht ab, diesen Markt zu besuchen. Sie fühlen sich sicher hinter einer Barrikade aus Lkw-Sperren und sandgefüllten Gitterkörben.

Polizeipräsenz auf Weihnachtsmärkten

Auf solche Reaktionen setzen die Berliner Sicherheitsbehörden. Die Polizei sei auf Anschlagszenarien wie auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt vorbereitet, sagt am Mittwoch Innensenator Andreas Geisel (SPD). Der Anschlag von Straßburg zeige, dass die Terrorgefahr unverändert hoch sei. Das gelte auch für Berlin. „Die Polizei ist entsprechend vorbereitet und schützt sichtbar und mit verdeckten Mitteln die Weihnachtsmärkte in unserer Stadt.“ Nach dem Anschlag in Straßburg hat die Behörde ihre Sicherheitsvorkehrungen auf den Weihnachtsmärkten der Stadt noch einmal erhöht.

Am Breitscheidplatz sieht das dann so aus: Eine Kolonne von Polizeiwagen steht auf der Budapester Straße. Polizisten patrouillieren in Leuchtwesten über den Markt, mit einer Maschinenpistole vor der Brust. Den Menschen auf dem Markt gefällt das. „Man fühlt sich beschützt. Ändern kann man ja doch nichts“, sagt eine Frau. Es hört sich trotzig an.