Anis Amri, der beim Terroranschlag in Berlin zwölf Menschen tötete, war den Behörden bekannt, doch stoppen konnten sie ihn nicht.

Wie nun der Spiegel berichtet, soll Amri engere Kontakte zu einem islamistischen V-Mann des Landesverfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen gehabt haben. So soll der V-Mann den Attentäter mindestens einmal nach Berlin gefahren haben.

Bekannt war bereits, dass Amri bei dem Verfassungsschutzinformanten mit Anschlagsplänen geprahlt und sich nach Schnellfeuergewehren erkundigt hatte.

Dass Amri selbst V-Mann gewesen sei, verneinte der Verfassungsschutz aber. Der 24 Jahre alte Tunesier war von mehreren Behörden als islamistischer Gefährder eingestuft worden.

Union im Bundestag für Untersuchungsausschuss zum Fall Amri

Knapp einen Monat nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz spricht sich die Union im Bundestag für einen Untersuchungsausschusses im Fall des Attentäters Anis Amri aus. Dies sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder am Samstag nach Ende einer CDU-Klausur im saarländischen Perl. Ablehnend äußerte sich Kauder hingegen zum Vorschlag aus Reihen der SPD, zur Aufklärung möglicher Behördenpannen einen Sonderermittler im Bundesinnenministerium und den betroffenen Landesministerien einzusetzen.

Kauder sagte, es werde darüber diskutiert, ob es im Fall Amri Koordinationsprobleme zwischen Bund und Ländern gegeben habe. „Wenn man der Meinung ist, da muss noch mehr gemacht werden, bin ich für einen Untersuchungsausschuss offen.“ Darüber müsse nun mit der SPD gesprochen werden.

Bei einer Aufklärung per Sonderermittler werde erst einmal monatelang gar nichts passieren. Zudem sei ein solcher Ermittler kein parlamentarisches Instrument. „Der arbeitet vor sich hin. Und der Bundestag selber hat da gar keine Informationen.“

Der 24-jährige Tunesier Anis Amri hatte am 19. Dezember einen Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert, 12 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Der Islamist war wenige Tage später bei einer Polizeikontrolle in Mailand erschossen worden. (red/dpa)