Derzeit verbreitet sich in den sozialen Netzwerken eine Falschmeldung über angebliche Flüchtlingsmassen, die aus Italien über den Brenner-Pass nach Österreich strömen sollen. Ein Österreicher behauptete auf Facebook, dass innerhalb einer Stunde „37 Busse mit Schwarzafrikanern über den Brenner gefahren“ seien. Einen Tag später seien es 17 Busse mit „rund 850 Personen“ gewesen, behauptet Helfried S. in seinem Post weiter. Das gehe „schon lange so“ und geschehe „klammheimlich“. Als Quelle verwies der Österreicher auf „Info's von dort“.

Dieses Gerücht verbreitete sich viral in den sozialen Netzwerken. Nutzer kopierten den Text und posteten ihn selbst, teilweise mit dem Wort „Eilmeldung“ versehen.

Dieser Beitrag von Klaus S. wurde mehr als 4000 Mal geteilt. Auch die rechte Website „Newsblitz“ meldete am Montag: „Afrikaner werden in Bussen klammheimlich nach Deutschalnd verbracht“. 

Neben dem Post von Helfired S. bezieht sich die Website auf ein Foto, das in Welzheim in Baden-Württemberg aufgenommen wurde. Darauf sollen angeblich afrikanische Flüchtlinge zu sehen sein, die dort mit dem Bus anreisten. Auf Anfrage der ARD erklärte eine Sprecherin des Rems-Murr-Kreises, dass es sich nicht um Flüchtlinge aus Afrika, die aus Italien kamen, gehandelt habe. Vielmehr seien darauf sieben Flüchtlinge aus Indien zu sehen, die von Mannheim nach Welzheim verlegt wurden.

Mittlerweile hat Helfried S. seinen Beitrag gelöscht. Die Funke-Mediengruppe hatte den Mann ausfindig gemacht und mit ihm gesprochen. Bei dem Verfasser des Posts, der das Gerücht ins rollen brachte, handelt sich um einen Lokführer aus der Steiermark. Er ist glühender Anhänger von Hans-Christian Strache, Vorsitzender der rechspopulistischen Partei FPÖ. 

Der Funke-Mediengruppe erklärte er, dass er seine Informationen von einem Bekannten erhalten habe, der „als vertrauenswürdig einzustufen“ sei. Dem Bericht zufolge lebt dieser Mann aber in Graz, das sich 420 Kilometer vom Brenner entfernt befindet. Helfried S. selbst hielt sich währenddessen gar nicht selbst in Österreich auf, sondern war auf einer Kreuzfahrt in Skandinavien.

Das Österreichische Innenministerium dementiert die Meldung

Am Dienstag dementierte das österreichische Innenministerium die gefährliche Falschmeldung. Auf Anfrage des ARD-Studios Wien erklärte ein Sprecher, dass die Geschichte „weder wahr, noch gut erfunden“ sei. Das gab das Ministerium auch auf Twitter bekannt und bittet darum, diese Meldung nicht weiter zu verbreiten:

Auch Politiker aus der Brenner Region stellten klar, dass keine Busse mit Flüchtlingen über die Grenze gefahren seien. „Es ist auszuschließen, dass es einen solchen Vorfall gegeben hat – so etwas wäre uns natürlich aufgefallen“, sagte ein Sprecher des Tiroler Landeshauptmanns dem ARD-Studio Wien.

Desweiteren äußerte sich auch der Verkehrs- und Tourismussprecher der österreichischen Grünen zu dem Fall. In seinem Post verdeutlicht er die geringe Zahl von Flüchtlingen im Vergleich zu 2015.

Doch trotzdem verbreitet sich die Falschmeldung weiter im Netz. Das zeigt beispielhaft, wie Fake-News entstehen.