Bruce Springsteen: Rock-Stimme des Widerstands

Es war schon herzergreifend, wie Madonna, die Queen-Mom des Pop, ihre nachblondierten Haarsträhnen unter einer schönen Mütze des Protests hervorlugen ließ und die Hunderttausenden Frauen von Washington sowie einige Männer am Sonnabend zu einer Revolution der Liebe aufrief. Es geht angesichts Donald Trumps, dem Schrecklichen, um nicht weniger als das Anrühren eines American Pie, von dem die Guten des Landes in finsterer Zeit ein wenig zehren können. Und fast alle machen mit.

Klar, dass Bruce Springsteen Madonnas Auftritt nicht lange auf sich sitzen lassen mochte. Fern ab der amerikanischen Ostküste, auf einer Bühne im australischen Perth, hat der Altrocker im Beisein seiner legendären E Street Band getan, was er neben dem Musizieren am besten kann: Grußadressen und Pathosformeln versenden. „Unsere Herzen und Gedanken sind mit den Hunderttausenden Frauen und Männern“, sagte der 67-Jährige, „die auf die Straße gegangen sind gegen Hass und Teilung und für Toleranz und Inklusion, Zivilrechte und Gerechtigkeit für alle Rassen.“

Und weil er schon einmal dabei war, schickte der „Boss“ gleich noch eine alternative Regierungserklärung um die Welt und bezog in sein mahnendes Gebet auch die Umwelt ein, die Krankenversicherung und die Rechte von Einwanderern. „We stand with you, we are the new the new american resistance“ (Wir stehen an eurer Seite. Wir sind der neue amerikanische Widerstand), rief Springsteen seinen Fans zu, die die Botschaft zum Anhören und Mitsprechen auf seiner offiziellen Seite www.brucespringsteen.net wieder und wieder anklicken können.

Natürlich hat man von Bruce Springsteen, der 1949 in Long Beach in New Jersey als Sohn katholischer Einwanderer aus Europa geboren wurde, nichts anderes erwartet als dieses politische Bekenntnis in starker Pose. Als Live-Musiker hat er einiges dafür getan, um den Titel „hardest working man in show business“ dauerhaft zu erwerben. In Livekonzerten scheint Springsteen auch nach rund 50 Jahren auf der Bühne immer wieder aufs Neue den Beweis erbringen zu müssen, dass popkultureller Erfolg nur die andere Seite eines schweißtreibenden Broterwerbs ist. Womit natürlich nicht gesagt sein soll, dass Springsteen nunmehr wie eine Figur aus dem 3D-Drucker der Rockgeschichte daherkommt. Ein paar Akkorde auf der Gitarre reichen, um ihn als authentischen Angehörigen des anderen Amerika zu erkennen.

Gerade deshalb muss es einen wie Bruce Springsteen hart treffen, dass ein Großteil seines lyrischen Schaffens nun so klingt, als sei es geradewegs für das von Donald Trump angesprochene Klientel der sozial Abgehängten geschrieben worden. Donald Trump ist nicht nur der Mann mit dieser scheußlichen Krawatte, er tut auch noch so, als wäre er der geborene Volks-Versteher und der Retter der geschundenen Seelen von Nebraska. „We are the new american resistance“ rief Bruce Springsteen den Massen in Perth zu. Eine Botschaft für alle – und doch ganz in eigener Sache.