Donald Trump: schon früh das Lügen gelernt.
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BerlinDas Enthüllungsbuch der Präsidenten-Nichte Mary L. Trump war als Skandal angekündigt. Und tatsächlich: Kaum hatten der Nachrichtensender CNN sowie die Zeitungen Washington Post und New York Times am Dienstag daraus allerlei pikante Passagen vorab veröffentlicht, folgte auch schon das Dementi aus dem Weißen Haus. Donald Trump habe als Schüler beim Qualifikationstest für das Studium betrogen, war da zu lesen, ihr Onkel habe jemand anderen dafür bezahlt, den Test für ihn abzulegen. Alles „absurd“ und „vollkommen falsch,“ schallte es aus Washington zurück.

Mary Trump (55) ist promovierte Psychologin. Der Titel ihres 240 Seiten umfassenden Buchs lautet auf Deutsch übersetzt: „Zu viel und nie genug – Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt geschaffen hat“ und soll kommende Woche in den USA auf den Markt kommen. Dann werden es weniger als vier Monate vor der Wahl sein, bei der sich Donald Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt. Der Verlag Simon & Schuster zog die Veröffentlichung um zwei Wochen vor. Donald Trumps Bruder Robert hatte versucht, die Publikation gerichtlich zu verhindern.

Das Cover des Enthüllungsbuches und die Autorin Mary L. Trump.
Foto: dpa/Simon & Schuster

Laut CNN schreibt Mary Trump, ihr Buch stütze sich vor allem auf eigene Erinnerungen, auf Gespräche mit Familienmitgliedern und auf Dokumente wie etwa Steuerunterlagen. Außer den Unterlagen, sind das nicht unbedingt zuverlässige oder gar belastbare Quellen. Und so hatte es die Vizesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Matthews, auch mit ihrer Behauptung leicht, das Buch sei aus finanziellem Interesse der Autorin und des Verlages entstanden – und nicht aus öffentlichem Interesse. Matthews warf die Frage auf, warum das Buch erst nach drei Amtsjahren des Präsidenten veröffentlicht werde. Mary Trump erklärte dazu, nach den vergangenen drei Jahren habe sie „nicht länger schweigen“ können. „Ich kann nicht zulassen, dass er mein Land zerstört.“

Donald Trumps Ego sei fragil

Trump unterstellt ihrem Onkel, ein Narzisst zu sein: Er erfülle alle Kriterien, schreibt sie laut New York Times. Die Zuschreibung greife aber viel zu kurz. Seine Verhaltensweisen seien oft so unerklärlich, dass eine genaue Diagnose nur mithilfe von Tests erstellt werden könnte, denen sich Donald Trump allerdings nie unterziehen würde. Laut CNN vergleicht Mary L. Trump ihren Onkel in dem Buch mit einem Dreijährigen, der wisse, dass er nie geliebt worden sei. Donald Trumps Ego sei fragil und müsse stets gestützt werden, „weil er tief im Inneren weiß, dass er nichts von dem ist, was er vorgibt zu sein“.

Die Psychologin sieht den Grund für die Verhaltensstörung in Donalds Kindheit. Als er zwei Jahre alt war, wurde seine Mutter Mary schwer krank und musste operiert werden. Danach sei sie „emotionell und körperlich abwesend“ gewesen. Dieser Mangel an Zuneigung habe ihn für den Rest des Lebens emotional gezeichnet. Denn nun hatte Vater Fred das Sagen, vor dem Donald „eine fürchterliche Angst“ hatte. Trump Senior verfügte weder über Mitgefühl noch hatte er Interesse an den Bedürfnissen seiner Söhne: „Je mehr Donald und seine Brüder ihn brauchten, desto abweisender wurde er. Dadurch wurde für Donald das Gefühl, jemanden zu brauchen, gleichgesetzt mit Bloßstellung und Verzweiflung.“

Donald habe versucht, die Aufmerksamkeit von Fred Senior zu bekommen, in dem er mit allen Mitteln versuchte, ihm zu imponieren. Ihr Onkel sei zu einem Experten darin geworden, die Wahrheit zu verschleiern, schreibt Mary Trump: „Für Donald ist Lügen ein Mittel, sich besser darzustellen, als er es wirklich ist.“ Trump sei ein schlechter Schüler gewesen. Seine Schwester Maryanne, die ihn später „als Clown verunglimpft hat“, habe seine Hausaufgaben für ihn gemacht. Für den College-Aufnahmetest SAT habe er seinen Freund „Joe Shapiro für gutes Geld engagiert, der den Test für ihn gemacht hat“. Nur so kam er auf die bekannte Wharton School of Business der University of Pennsylvania.

In der Beschreibung des Verlags Simon & Schuster heißt es, Mary Trump zeichne ein „Porträt von Donald J. Trump und der toxischen Familie“, die ihn zu dem gemacht habe, was er heute sei: Ein Mann, „der jetzt die Gesundheit, die wirtschaftliche Sicherheit und das soziale Gefüge der Welt bedroht“. Mary Trump ist die Tochter von Donald Trumps ältestem Bruder Fred, der 1981 starb. Ihren Vater beschreibt sie als sensiblen und sanften Mann, ganz im Unterschied zu Donald, der früh gelernt habe, dass es „falsch“ wäre, wie sein älterer Bruder zu sein. Das habe Trump die Fähigkeit genommen, „das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen zu entwickeln und zu erfahren“.

Mary Trump beschreibt immer wieder persönliche Begegnungen mit Donald Trump. Die Beschreibungen machen den Präsidenten nicht sympathischer, und sollen es offenkundig auch nicht. Erwähnt sei zum Beispiel eine Episode aus Mar-a-Lago, Trumps Sommerhaus in Florida. Dort habe sie im Pool gebadet und sei anschließend Donald Trump über den Weg gelaufen, der sich nicht zu schade gewesen sei, als Onkel die Brüste seiner Nichte zu bewundern: „Donnerwetter, Mary. Du hast einen Vorbau“, soll Trump zu ihr gesagt haben.

Dass Mary Trumps Buch die Präsidentenwahlen mit solchen Enthüllungen oder ihren Psychogrammen beeinflussen wird, ist unwahrscheinlich. Gleichwohl bieten die Wahlen einen willkommen Anlass. Kürzlich hatte die Journalistin Mary Jordan ein Buch über Melania Trump veröffentlicht: „The Art of Her Deal. The Untold Story of Melania Trump“, ebenfalls im Verlag Simon & Schuster. Und auch „Watergate“-Reporter Bob Woodward soll derzeit an einem Buch über Trump arbeiten. (mit dpa)