Silent Demo in Berlin
Foto: dpa/Christoph Schmidt

TOCHTER: Bürger haben jetzt ganz schön viel Macht, finde ich.

MUTTER: Wieso?

Na, dieses neue Gesetz in Berlin, mit dem festgelegt wird, dass niemand mehr diskriminiert werden darf und Polizisten und Leute in Behörden jetzt beweisen müssen, dass sie das nicht gemacht haben.

Ganz so krass ist es nicht. Es muss schon mehr dafür sprechen, dass es eine Diskriminierung gegeben hat als dagegen, bevor die Behörden zeigen müssen, dass das nicht der Fall war. Aber unabhängig davon: Ich finde dieses Gesetz ziemlich gut. Es gibt allerdings gerade viele Befürchtungen zum Beispiel bei der Polizei und beim Bundesinnenminister, dass die Ordnungskräfte durch dieses Gesetz auch zu Unrecht angreifbar sind. Sie glauben, Leute werden die Gesetzeslage ausnutzen. Aber ich glaube, wenn die Ordnungskräfte sich an die Regeln halten, sind sie gar nicht angreifbar.

Das glaube ich auch. Klar ärgert das Polizisten, weil sie sich jetzt mehr rechtfertigen müssen. Aber das Gesetz schützt die Bürger und das soll es ja, und auch der Polizist und der Staat sind dazu da, die Bürger zu schützen. Ich war aber so überrascht. Der Tod von George Floyd war gerade erst passiert. In Amerika brennen die Straßen und bei uns gibt es zwei, drei Proteste und schwupps, schon ist so ein Gesetz da.

Das Gesetz hatte größeren Verlauf. Das ist nicht spontan entstanden.

Okay, das wusste ich nicht. Aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass die Bürger es mit ihren Protesten geschafft haben, mit der ganzen Aufregung und diesen Rassismusdebatten den entscheidenden Anstoß zu geben, so ein Gesetz dann auch zu verabschieden. Dass es für die Politiker dann noch mal ein Ansporn war, diesen Beschluss durchzubringen.

Du bist froh, wenn Proteste und Demonstrationen Erfolg haben?

Ja. Ich war jetzt über ein Jahr demonstrieren bei Fridays for Future und da habe ich nicht so viele Resultate gesehen. Es ist eine positive Überraschung für mich, dass weltweite Proteste, zwar bei einem anderen Thema, nämlich Rassismus, etwas bewirken können. Allerdings hat mich auch überrascht, dass es auch bei uns so eine gewaltige Reaktion auf die George-Floyd-Debatte in Amerika gibt. Wir sind hier nicht diesem Rassismus seitens der Polizei ausgesetzt. Natürlich hat Deutschland auch Rassismusprobleme, aber im Vergleich zu Amerika ist das gar nichts.

Da mischt sich einiges. Viele wollen einfach nur ausdrücken, dass sie nicht einverstanden sind mit dem, was in Amerika passiert, und gehen deshalb auf die Straße. Und dann gibt es hier auch kräftigen Rassismus. Er geht aber nicht derart stark von der Polizei aus. Frag mal Leute mit einer anderen Hautfarbe. Manche sitzen in der Bahn und der weiße Sitznachbar bringt seine Handtasche in Sicherheit. Das zeigt auch rassistisches Denken.

Ich sage ja auch nicht, dass Deutschland das supertollste Land ist. Das Thema hat mich auch berührt, aber nur in Bezug auf Amerika. Ich habe mich fürchterlich aufgeregt und für mich war das, was George Floyd passiert ist, Mord. Ich finde es einfach schön, dass Bürger hier was erreichen können.