Beirut - Im syrischen Bürgerkrieg ist offenbar wieder Giftgas zum Einsatz gekommen. Regierung und Opposition beschuldigten sich am Samstag gegenseitig, bei Kämpfen in der zentralen Provinz Hama Chemiewaffen verwendet zu haben.
Im Staatsfernsehen hieß es, Rebellen der dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen Al-Nusra-Front hätten am Freitag bei einem Angriff auf das Dorf Kafr Sita „giftiges Chlor“ eingesetzt. Zwei Menschen seien dabei getötet worden, 100 verletzt worden.

Der Leiter der oppositionsnahen Organisation Syrische Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman, hingegen sagte, Bewohner des Dorfes hätten unter Atembeschwerden gelitten, nachdem Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad das Dorf mit Faßbomben attackierten. Einige hätten Symptome einer Vergiftung gezeigt, sagte Rahmnan unter Berufung auf medizinisches Personal aus der Region. Die Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Vergangenes Jahr hatten sich Regierung und Opposition gegenseitig eine Giftgas-Attacke nahe der Hauptstadt Damaskus vorgeworfen. Berichten zufolge kamen dabei rund 1400 Menschen ums Leben. Die weltweite Empörung führte dazu, dass die Assad-Regierung der Vernichtung ihres Chemiewaffenarsenals zustimmte. Für den Abschluss der laufenden Vernichtungsaktion haben die UN eine Frist bis 30. Juni gesetzt.

Schwerste Kämpfe seit Mitte 2012

Syrische Regierungstruppen und Rebellen haben sich nach Angaben von Aktivisten in der nördlichen Stadt Aleppo die schwersten Gefechte seit fast zwei Jahren geliefert. Bei den Kämpfen in der Nacht zum Samstag in der Nähe eines Geheimdienststützpunkts im Viertel Sahra habe es Opfer auf beiden Seiten gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit, die der Opposition nahesteht. Zivilisten seien aus der Gegend geflohen.

Das Aktivisten-Netzwerk Allgemeiner Syrischer Revolutionsausschuss erklärte in einer E-Mail, Soldaten hätten mit Maschinengewehren das Viertel Al-Leiramun sowie die Umgebung einer Geheimdienstbasis der Luftwaffe unter Beschuss genommen.

Die Luftwaffe griff am Freitag und am Samstag von Rebellen gehaltene Stellungen in Aleppo an, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. Dabei seien vier Rebellen im östlichen Bezirk Raschidun getötet worden. Islamistische Rebellen hätten mehrere von Regierungstruppen kontrollierte Viertel attackiert und zehn Menschen getötet, darunter fünf Kinder.

Die Wirtschaftsmetropole wird seit 2012 von Kämpfen erschüttert, weite Teile der Altstadt liegen inzwischen in Trümmern. Seit dem Beginn des Aufstands gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad vor mehr als drei Jahren sind in dem Bürgerkrieg mehr als 150.000 Menschen getötet worden. Neun Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen. (afp/dpa)