In Bremen und Bremerhaven leben 490.000 wahlberechtigte Bürger, von denen am Sonntag gerade einmal die Hälfte ihre Stimme abgegeben hat. Die bundespolitische Aussagekraft der Bürgerschaftswahl ist also sehr überschaubar und allenfalls in psychologischen Kategorien messbar.

Am wichtigsten dürfte das Ergebnis für die ums Überleben kämpfende FDP sein, die zum zweiten Mal hintereinander gezeigt hat, dass sie bei einer Landtagswahl bestehen kann. Sind es auch nur wenig über zehntausend Stimmen, die hier zum Einzug ins Parlament gereicht haben – doch auch die müssen erst einmal gewonnen werden, und sie stärken das Selbstbewusstsein der ganzen Partei. Die Stimmungslage für die FDP hat sich insgesamt gedreht. Mehr als die Hälfte der Wähler denken inzwischen, dass sie eine zweite Chance verdient habe.

Psychologisch-politisch bedeutsam ist das Bremer Ergebnis aber auch für die Linke, die deutlich gestärkt zum dritten Mal in die Bürgerschaft einzieht. Das stabilisiert sie als gesamtdeutsche Partei und zeigt, dass sie von einem demonstrativen Mitte-Kurs der Regierungs-SPD profitiert. Das allerdings dürfte den Sozialdemokraten zu denken geben, die auch als Wahlsieger ihr schlechtestes Ergebnis in Bremen seit 70 Jahren erzielt haben. Das ändert in der Berliner Koalition erst einmal nichts. Aber auf die Stimmung schlägt es doch. Das ist das Vertrackte an einer Wahl auch in einem kleinen Bundesland.