Berlin - Wenn Satire Politik nicht mehr karikiert, sondern beschreibt, dann darf man davon ausgehen, dass einiges in Unordnung geraten ist.

Am Freitagabend machte sich Oliver Welke in der ZDF-heuteshow über die Ministerpräsidentenkonferenz der vergangenen Woche lustig. Wir erinnern uns, das war die Zusammenkunft, die stundenlang unterbrochen war und schließlich in den frühen Morgenstunden mit dem Beschluss einer „Osterruhe“ zu Ende ging. Die allerdings erwies sich zwei Tage später als undurchführbar, weswegen die Kanzlerin den Beschluss kassierte und sich in aller Form entschuldigte.

Irgendwo zwischen all diesen dramatischen Wendungen sendete das Morgenmagazin ein Interview mit dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke). Darin erklärte er, dass er in der legendären Nacht der legendären MPK sechs Stunden lang auf seinen Bildschirm in der Staatskanzlei gestarrt habe und nicht wusste, wo die Kanzlerin abgeblieben war – und wann sie wieder erscheinen würde. Dazu muss man wissen, dass die meisten Ministerpräsidenten zum Bund-Länder-Gipfel per Video ins Kanzleramt geschaltet werden. Damit nicht so viel gereist wird in diesen Pandemietagen. Zum Bundesrat ein paar Tage später kommen dann doch wieder fast alle nach Berlin, das nur am Rande.

Oliver Welke witzelte in seiner Satireshow, dass man Ramelow bei der Konferenz vermutlich weggemobbt habe, nach dem Motto: „Hey, wir treffen uns jetzt in Raum B, aber sagt dem Bodo nichts“. Bitte nicht lachen, aber es war in Wahrheit wohl noch schlimmer.

Stundenlange Unterbrechung der MPK: Irgendwann rief  Malu Dreyer an

Wie es in der Nacht der Rekord-MPK weiterging, hat Ramelow in einem Interview den Kollegen von der Welt erzählt: Er sei in den sechs Stunden schlicht vergessen worden. Und nicht nur er. „Vor ihren Kameras warteten auch Armin Laschet, Peter Tschentscher, Volker Bouffier und Reiner Haseloff“, erzählt Ramelow. „Um 22.45 Uhr habe ich dann ein erstes Lebenszeichen bekommen – von Malu Dreyer, die mich zu einer Telefonschalte einlud: Man habe mich vergessen. Die anderen wohl auch, selbst den CDU-Vorsitzenden, so wirkte es jedenfalls zu diesem Zeitpunkt auf mich.“

Noch nicht mal die heuteshow hätte sich vermutlich getraut, das zu erfinden.

Ramelow erzählte dann weiter, dass er dann eben sechs Stunden lang auf seinen Bildschirm schaute und dabei mit Haseloff plauderte: „..und er zeigt mir die verschiedenen Hintergründe, die er bei seinem Videobild auswählen kann. Am Ende hat er auf eine Morgenstimmung von Magdeburg umgestellt, auf der ein Stück Elbe zu sehen war.“ Und irgendwann war die Pause vorbei und die Idee von der Osterruhe da. Vermutlich wirkte allein der Begriff so verlockend, dass niemand mehr groß widersprochen hat.

Es ist jetzt viel die Rede davon, dass der Bund-Länder-Gipfel früher starten soll, damit er nicht mehr zu nachtschlafender Zeit endet. Das wäre natürlich ein Fortschritt. Ohne Ideen, wie die Pandemie konsequent bekämpft werden kann, wird es dann aber auch nichts werden.

Daher ein Vorschlag zur Güte: Wie wäre es mit einer freiwilligen Osterruhe? Alle, Politikerinnen und Bürgerinnen, ziehen sich so gut es geht zurück. Denn auch das sagte Ramelow: „Wir Politiker sind doch auch mit den Nerven am Ende.“