Franziska Giffey (SPD).
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BerlinBundesfamilienministerin Franziska Giffey hat im Bundestag für die Einführung einer Frauenquote in Vorstandsetagen großer Unternehmen geworben. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Frauen seien in Spitzenpositionen der Wirtschaft unterrepräsentiert, sagte die SPD-Politikerin anlässlich des internationalen Frauentags an diesem Sonntag. Giffey will, dass mindestens eine Frau im Führungsgremium sitzt. Diese Regelung soll für Aktiengesellschaften mit mehr als 2000 Mitarbeitern und mindestens vier Vorstandsmitgliedern gelten.

„Gleichstellung ist kein Naturgesetz“, führte sie auch mit Blick auf den Frauenanteil im Bundestag aus. Mit 31 Prozent der Abgeordneten sei der Anteil im Vergleich zur letzten Legislaturperiode sogar gesunken. Obwohl 79 Abgeordnete mehr im Parlament säßen als in der vorangegangenen Legislaturperiode, sei die Zahl der Frauen um 14 zurückgegangen. Bei Bundesbehörden müssten Führungspositionen „fifty-fifty“ mit Frauen besetzt werden, forderte Giffey laut Nachrichtenagentur afp. Initiativen für ein sogenanntes Paritégesetz für einen Frauenanteil von 50 Prozent im Bundestag bezeichnete Giffey als „gutes parlamentarisches Anliegen“, dass sie voll unterstütze.

Bundesregierung solle Gleichstellung von Frauen und Männern immer berücksichtigen

2020 sei das Jahr der Gleichstellung, sagte die Ministerin weiter. Sie verwies auf den Entwurf einer nationalen Gleichstellungsstrategie, den sie in dieser Woche auf den Weg gebracht und zur Abstimmung an die anderen Ministerien gegeben hatte. Ziel der Strategie ist es, dass die Bundesregierung bei allen Gesetzen und Förderprogrammen die Gleichstellung von Frauen und Männern berücksichtigt.

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Kritik kam von der Opposition. Die frauenpolitische Sprecherin der AfD, Mariana Iris Harder-Kühnel, warf der großen Koalition einen „konstruierten Kampf der Geschlechter“ vor. Frauenrechte zu stärken sei wichtiger denn je, dabei gehe es aber vielmehr darum, dass Frauen sich das Recht zurückerkämpfen müssten, angstfrei und ohne männliche Begleitung auf die Straße gehen zu können. Die FDP-Abgeordnete Nicole Bauer sagte, die Welt sei vielfältig und von Veränderung geprägt. „Starre Quoten für ein Geschlecht, das passt doch gar nicht zusammen.“

Internationaler Frauentag am 8. März

Am Internationalen Frauentag fordern weltweit zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen. Auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin wurde er erstmals am 19. März 1911 in Deutschland und in Nachbarländern sowie den USA organisiert. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März begangen. Die Vereinten Nationen riefen den Tag 1977 zum „Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ aus.

Der Weltfrauentag ist in mehr als zwei Dutzend Ländern ein gesetzlicher Feiertag, etwa in Angola, Georgien, Russland und Vietnam. Auch in Nordkorea und Kuba wird er offiziell begangen. In Deutschland ist der Frauentag nur im Land Berlin ein gesetzlicher Feiertag. In diesem Jahr fällt er allerdings auf einen Sonntag.

Drei von vier Frauen in Deutschland erwerbstätig

Drei von vier Frauen in Deutschland zwischen 20 und 64 Jahren haben im Jahr 2018 einen bezahlten Job ausgeübt. Der Anteil erwerbstätiger Frauen sei von 68 Prozent im Jahr 2008 auf 76 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Das berichtet die Nachrichtenagentur afp und beruft sich dabei auf eine Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden. Nach Schweden mit 80 Prozent und Litauen mit 77 Prozent hatte Deutschland damit die dritthöchste Erwerbstätigenquote von Frauen in der EU.

Dieser Anstieg trage zur finanziellen Unabhängigkeit von Frauen bei, wie die Statistiker hervorhoben: 2018 konnten demnach 68 Prozent ihren Lebensunterhalt überwiegend aus eigener Berufstätigkeit bestreiten, 2008 waren es 59 Prozent gewesen. Bei den Männern lag dieser Anteil 2018 bei 81 Prozent. Fast die Hälfte der erwerbstätigen Frauen hierzulande (47 Prozent) arbeitet in Teilzeit, bei den Männern war es dagegen nur jeder elfte (neun Prozent). Der Anteil der erwerbstätigen Männer in Deutschland lag demnach 2018 bei 84 Prozent, vier Prozentpunkte höher als 2008.