Der Bundesfreiwilligendienst wird vor allem in Ostdeutschland von älteren Menschen wahrgenommen. Das ergibt sich aus der aktuellen Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei. Diese warnt deshalb vor dem Entstehen eines neuen Niedriglohnsektors.

Der Antwort der Bundesregierung zufolge gab es 2013 bundesweit rund 40.000 Bufdis. Während der Anteil der unter 27-Jährigen im Westen jedoch bei 81 Prozent lag, betrug er im Osten nur 19 Prozent. In Sachsen-Anhalt betrug dieser Anteil sogar lediglich 13 Prozent. Fast die Hälfte der Bufdis im Osten sind über 50, im Westen kommen weniger als zehn Prozent aus dieser Altersgruppe. Die Verhältnisse sind in Ost- und Westdeutschland also genau umgekehrt. Experten führen dies einerseits darauf zurück, dass es in den neuen Ländern wegen des demografischen Wandels weniger junge Menschen gibt und es viele von ihnen zum Studium oder zur Arbeit in den Westen zieht.

Andererseits betrachten die Älteren den Bundesfreiwilligendienst als Möglichkeit, Anschluss an den Arbeitsmarkt zu finden oder zu halten und zugleich etwas hinzuzuverdienen. So bewerben sich vor allem in Ostdeutschland viele ältere Hartz-IV-Empfänger für den Bundesfreiwilligendienst.

Bufdis bekommen für ihre Arbeit ein Taschengeld von bis zu 357 Euro, manche Träger stellen zusätzlich Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung. Der 2011 geschaffene Dienst wurde als Ersatz für den Zivildienst geschaffen. Dieser war Jüngeren vorbehalten.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, sagte der Berliner Zeitung: „Mit dem Bundesfreiwilligendienst hat die schwarz-gelbe Bundesregierung offensichtlich einen neuen Niedriglohnbereich geschaffen. Obwohl die Arbeit zu Recht allenthalben hoch gelobt wird, ist die Entlohnung nur ein Taschengeld. Aus unserer Perspektive ist kritisch zu fragen, wie freiwillig dieser Freiwilligendienst bei vielen Leuten ist – gerade im Osten.“

Mit Blick auf die Tatsache, dass die älteren Bufdis in Ostdeutschland überwiegend Frauen sind, äußerte er die Sorge, „dass die Generation der Wendeverliererinnen durch den Bundesfreiwilligendienst zuverdienen muss. Damit ist der Osten die spiegelverkehrte Schattenseite von Westdeutschland.“ Korte forderte die Einführung eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors.

Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hatte erst kürzlich einen Einstellungsstopp für ältere Bufdis verhängt um Platz für Jüngere zu schaffen.