Ribnitz-Damgarten - Die Kanzlerin kommt nach Ribnitz-Damgarten, aber das muss man schon wissen. Es ist ein öffentlicher Auftritt, auf dem Marktplatz vor dem pastellgelb gestrichenen Rathaus. Es ist Landtagswahlkampf, Angela Merkel will die örtliche CDU unterstützen. Die CDU hat eine Bühne aufgebaut, sie hat orangefarbene Luftballons mitgebracht, Stifte mit CDU-Aufdruck und Plakate des Landtagskandidaten.

Plakate von Merkel gibt es nicht, noch nicht einmal große Terminhinweise. Nicht am CDU-Stand, auch sonst nicht in der Stadt an der Ostsee. Man könnte auf die Idee kommen: In Zeiten sinkender Umfragewerte, versteckt die CDU Merkel, sogar in ihrem eigenen Wahlkreis. Es klingt ein bisschen nach Unheil.

Ärger gibt es nicht

Auf dem Marktplatz gibt es Obst und Gemüse, Sparschäler und Socken in Übergrößen. Linkspartei und AfD haben kleine Stände aufgebaut, sie umrahmen einen Stand mit russischen Spezialitäten. Die Spitzenkandidatin der Linkspartei hat die Bühne im Blick, ein älterer Herr im pinkfarbenen T-Shirt redet auf sie ein. Es geht um die Flüchtlingspolitik. „Das sind doch lauter Bombenleger“, schimpft der Mann. „Und diese Dinger mit den spitzen Türmen, die gehören doch nicht hierher.“ „Moscheen?“ fragt die Linkspartei-Frau und verweist auf die Religionsfreiheit.

Merkel kommt von der anderen Ecke des Platzes. Sie überquert den Markt, wünscht dem Käsemann einen guten Tag und stellt am Obststand fest: „Oh, die Pflaumen sehen gut aus.“ Hände strecken sich ihr entgegen. „Machen Sie weiter so“, sagt eine ältere Frau. Eine andere überreicht ihr einen kleinen Strauß rosa Rosen. Ärger gibt es nicht.
Auf der Bühne pfeift Merkel erst einmal vor sich hin. Der Männerchor „Fischlänner Seelüd“ singt von „Leinen los“ und „Seemannsglück“.

Auf etwas über 20 Prozent kommt die CDU derzeit in den Umfragen, genauso wie die SPD, mit der sie seit zehn Jahren regiert. Linkspartei und AfD liegen knapp unter 20 Prozent. Es könnte schwierig werden mit der Regierungsbildung nach der Wahl am 4. September. Vielleicht reicht es nur für Rot-Rot-Grün oder Rot-Schwarz-Grün, vielleicht nicht einmal das. Auch eine Fortsetzung der Großen Koalition ist möglich, sogar unter Führung der CDU. Dafür allerdings müssten beide Volksparteien noch einiges zulegen.

Beide machen auch Merkels Flüchtlingspolitik verantwortlich für ihre Misere. „Wir schaffen das nicht noch einmal“, hat CDU-Landes-Chef Lorenz Caffier Anfang des Jahres gesagt. Die CDU allerdings, das sei erwähnt, war schon bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren nur noch bei knapp über 20 Prozent. Der Ausländeranteil in Mecklenburg-Vorpommern liegt bei etwa 2,5 Prozent, das Land mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern hat gut 20.000 Flüchtlinge aufgenommen.

Merkel redet nicht über Flüchtlinge

Auf der Bühne in Ribnitz vor dem gelben Rathaus spricht Merkel dann auch nicht von Flüchtlingen. Sie sagt, das Land könne stolz sein, inzwischen mehr Besucher zu verzeichnen als Bayern. Die Arbeitslosigkeit im Land sei halbiert worden, die Schulden abgebaut. Es gibt Applaus für ihr Lob der Pflegkräfte, für das Versprechen schnellerer Internet-Verbindungen, für den Ruf, dass Mittelständler nicht mit Bürokratie belastet werden dürften.

Eine Viertelstunde dauert die Rede. Sie endet mit der Sicherheitspolitik, mit mehr Personal und Kompetenzen für die Polizei, um Gesichtserkennung per Computer und weniger Datenschutz. Ein einsamer „Lüge“-Ruf erschallt, als sie sagt, der Amoklauf in München habe keinen islamistischen Hintergrund.

„Es wird sie nicht verwundern, dass ich für die Christlich-Demokratische Union werbe“, sagt Merkel zum Abschied. Und dass es sinnvoll wäre, bei der Wahl konstruktive Kräfte zu stärken. Dann wird nochmal gesungen. Die Zuhörer – ein paar Hundert sind gekommen – machen Handyfotos und klatschen. Der örtliche AfD-Kandidat steht mit seinem Stand außer Sichtweite, hinter dem Russland-Wagen.

Bei der CDU sagen sie, man habe Merkels Auftritt schon angekündigt. In der Lokalpresse und per Zettel in den Briefkästen.