Templin - Angela Merkel steht an einem Pult mit dem Rücken zum Altar, vier große Kerzen beleuchten den Gekreuzigten. Die Kanzlerin schaut in die voll besetzte Kirche und sagt: „Ich fühle mich an der falschen Stelle. Es wäre mir recht, jetzt auch in einer der Bänke zu sitzen und dem Pfarrer zuzuhören.“ Angela Merkel ist heimgekehrt an diesem Freitagabend, nach Templin in der Uckermark und in die Kirche, in der sie einst konfirmiert wurde. Es ist ein ungewöhnlicher Abend, und so empfindet sie es wohl auch.

Lange Zeit hat Angela Merkel darauf geachtet, nicht sehr erkennbar zu sein. Nicht als Ostdeutsche, nicht als Frau, nicht als Christin. Die Vorbehalte, ob sie dem Kanzleramt gewachsen sein würde, waren so groß, dass sie alles Persönliche, ihre Herkunft und Geschichte ausgeblendet hat und den Menschen lange als so etwas wie eine ideelle Gesamtdeutsche gegenübergetreten ist. Bis heute schirmt sie ihr Privatleben gegenüber der Öffentlichkeit vollkommen ab. Aber seit einiger Zeit ist sie dabei, ihr Bild zu runden. Jetzt erzählt sie manchmal über ihre Kindheit und Jugend in der DDR, hier in Templin. Sie kokettiert jetzt mit den Vorurteilen, denen sie anfangs in der westdeutsch geprägten Bundespolitik begegnet ist, als man sich in der Union über die „Zonenwachtel“ lustig gemacht hat.

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