Bundespolizei: Viel mehr unerlaubte Einreisen in Brandenburg

Die sogenannte neue Balkanroute macht der Politik Kopfzerbrechen. Über Südosteuropa kommen wieder mehr Flüchtlinge und Migranten nach Deutschland. Das macht ...

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ARCHIV - Ein Beamter der Bundespolizei kontrolliert Reisende am Flughafen. ldChristian Charisius/dpa/Symbolbi

Potsdam-Die Zahl der unerlaubten Einreisen über die Bundesgrenzen nach Brandenburg ist in diesem Jahr stark gestiegen. Die Bundespolizei registrierte bis Ende September 5034 Fälle - im Vergleich zu 3064 in derselben Zeit des Vorjahrs. Dies geht aus einer Antwort der Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur hervor. Bundesweit wurden dieses Jahr bis Ende September fast 58.000 unerlaubte Einreisen entdeckt - mit stark steigender Tendenz.

Unerlaubte Einreise bedeutet, dass Ausländer ohne den nötigen Aufenthaltstitel ankommen und dies entdeckt wird. Häufig beantragen die Menschen dann Asyl oder einen anderen Schutzstatus. Die Politik zeigte sich zuletzt besorgt über steigende Bewerberzahlen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte deshalb für Donnerstag Vertreter der Westbalkan-Staaten und einiger EU-Staaten zu Beratungen nach Berlin geladen.

Im Januar dieses Jahres registrierte die Bundespolizei bundesweit 4436 unerlaubte Einreisen, dann stieg die Zahl im Lauf des Jahres fast durchgehend. Im Juni waren es 6667, im Juli 6941, im August 8846 und im September dann nach einer vorläufigen Erhebung 12.720 Fälle. Die Zahlen summieren sich bis Ende September auf 57.666, im Vergleich zu rund 34.993 in den ersten neun Monaten 2021.

Brandenburg verzeichnete im Lauf dieses Jahres ebenfalls einen deutlichen Zuwachs: von 388 Fällen im Januar auf 848 im September. 2022 lagen die Zahlen für Brandenburg in jedem Monat höher als im Vergleichsmonat des Vorjahrs - nur im September nicht. Da lag der Wert um 44 Prozent niedriger als im September 2021, als besonders viele Flüchtlinge und Migranten auf der Route über Belarus und Polen kamen.

Die Bundespolizei entdeckte am Mittwoch vier weitere Fälle von mutmaßlichen Schleusungen von insgesamt 19 Ausländern. Die Männer und Frauen aus Syrien und dem Iran hätten bei Kontrollen auf dem Rastplatz Biegener Hellen Nord keine Dokumente zur Einreise vorweisen können, berichtete die Bundespolizei am Donnerstag. Dies ist der erste Rastplatz an der Autobahn A12 nach der polnischen Grenze. Als ein mutmaßlicher Schleuser wurde ein 24-jähriger Ukrainer vorläufig festgenommen, der einräumte, er habe drei Männer und zwei Frauen aus Syrien von Polen nach Deutschland gebracht.

In Sachsen verzehnfachte sich die Zahl in diesem Jahr praktisch von 488 im Januar auf 4713 im September. Das Bundesland gilt als Endpunkt der Balkanroute über die Slowakei und Tschechien.