Berlin - Im Rückblick mag es scheinen, als sei alles geradewegs auf den bisherigen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als künftigen Bundespräsidenten zugelaufen. Das stimmt aber nicht. Manche Kandidatinnen oder Kandidaten sagten ab; andere waren aussichtsreich, jedoch am Ende nicht gewollt. Mal hing dies von den Bewerbern ab, mal von machtpolitischen Erwägungen. So trachteten Union und SPD jeweils danach, eigene Kandidaten durchzusetzen. Manche wollten zudem ein schwarz-grünes Zeichen geben, andere ein rot-rot-grünes. Denn auch schon in der Vergangenheit wurde die Wahl des Staatsoberhauptes als Vorspiel für neue politische Bündnisse betrachtet.

Es gab jedenfalls intensive Bemühungen, eine Alternative zu Steinmeier zu finden. Doch sie misslangen. Ein führender Grünen-Politiker wunderte sich im Laufe der Suche denn auch, wie viele Menschen in Deutschland das Angebot, das höchste Staatsamt zu bekleiden, ausschlügen – aus welchen Gründen auch immer.

Marianne Birthler: Die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, hat nach drei Tagen Bedenkzeit abgesagt. Die 69-Jährige fühlte sich nach eigenen Worten nicht fit genug. Kanzlerin Angela Merkel wollte sie, die Grünen wollten sie ebenfalls. Die CSU hätte sie, so hört man, akzeptiert.

Birthler wäre die erste Frau im Amt gewesen – und zum zweiten Mal Nachfolgerin von Joachim Gauck. Viel fehlte nicht, und die einstige grüne Ministerin wäre es geworden.

Norbert Lammert: Der Bundestagspräsident von der CDU ist bei der Opposition beliebt, bei Merkel und Teilen der Unionsspitze eher weniger. Allerdings hätte Lammert für CDU und CSU die Chance geboten, Steinmeier zu verhindern. Doch der 67-Jährige erklärte bündig: „Ich glaube, dass das für mich nicht das richtige Amt ist und ich für das Amt nicht der richtige Kandidat bin." Nicht zuletzt seine Frau war offenkundig dagegen, weil sie die Repräsentationspflichten scheute. Lammert kandidiert im Herbst nun auch nicht mehr für den Bundestag. Er steigt ganz aus der Politik aus.

Wolfgang Huber: Der ehemalige Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland hätte ein überparteilicher Kandidat sein können. Sein rednerisches Talent sowie seine intellektuelle und moralische Kraft stehen außer Frage.

Der 74-Jährige wollte allerdings dem Vernehmen nach aus gesundheitlichen und familiären Gründen nicht. Und: Er ist nur knapp drei Jahre jünger als Gauck. Ein Generationenwechsel hätte anders ausgesehen.

Andreas Voßkuhle: Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts gilt qua Amt als denkbares Staatsoberhaupt. Der 53-Jährige hat überdies einen eigenen Kopf, was schon mal nicht schaden kann. Dieser Kopf ist freilich so eigen, dass er eine Kandidatur nach 2012 ein zweites Mal ausschlug. Augenscheinlich fühlt sich der Mann mit dem Posten, den er hat, ganz wohl.