Berlin - Bundespräsident Walter Steinmeier hat in einer Rede zum 125. Geburtstag der Frauenrechtlerin Elisabeth Selbert den Kampf um Gleichstellung als wichtige gemeinsame Sache für alle Demokraten bezeichnet – und zwar für Männer und Frauen gleichermaßen.

„Was einmal errungen ist, ist nicht unumkehrbar“, sagte Steinmeier und verwies darauf, dass der Anteil von Frauen in den Parlamenten zum ersten Mal seit Langem wieder zurückgeht. Im Bundestag beträgt er derzeit 30,7 Prozent. Er ist damit auf den Stand von Mitte der 1990er-Jahre zurückgefallen.

Der Bundespräsident sprach in Kassel nach einem Besuch des Archivs der Deutschen Frauenbewegung, das derzeit eine Serie über die Elisabeth Selbert veröffentlicht. Die SPD-Politikerin war eine von nur vier Frauen unter 61 Männern im Parlamentarischen Rat, der die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ausarbeitete. Selbert setzte sich zunächst vergeblich dafür ein, dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ mit aufgenommen wird. Als ihr Antrag abgelehnt wurde, organisierte die Juristin eine deutschlandweite Protestkampagne, sodass der Vorschlag schließlich doch noch angenommen wurde – einstimmig.

Steinmeier verwies in seiner Rede auch auf den Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“ von Torsten Körner, der jüngst in die Kinos kam und die Frauen der Bonner Republik würdigt, die sich gegen den alltäglichen Sexismus und Vorurteile zur Wehr setzten. „Aus heutiger Sicht ist es beschämend zu sehen, wie viel Herablassung und Geringschätzung den weiblichen Abgeordneten damals im Bundestag und in den Medien entgegenschlug“, sagte Steinmeier und machte gleichzeitig mit Blick auf die sozialen Medien klar, dass dies nicht nur eine vergangene historische Phase ist: „Ja, es gibt zu viel Hass im Netz – aber es gibt einen besonderen und besonders erbärmlichen Frauenhass im Netz!“ 

Bundespräsident: „Wir alle müssen handeln“

Politik, Polizei und Justiz müssten ihre Aufgabe wahrnehmen und Frauen vor derartigen Anfeindungen schützen. Die Forderung gehe aber weiter: „Wir alle, Männer und Frauen, dürfen nicht wegsehen, wir müssen unsere Stimme erheben und jedem zeigen , der so spricht: Frauenfeindlichkeit und Sexismus sind niemals in irgendeiner Weise erträglich! Sie sind niemals zu dulden und bleiben niemals unwidersprochen.“