Oskar Lafontaine telefoniert. Gregor Gysi bestimmt auch. Gesine Lötzsch und Klaus Ernst dürften ebenfalls die Drähte heiß laufen lassen. Die Linkspartei sucht - kurzfristig und dringend! - einen eigenen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Redegewandt, charismatisch und überparteilich soll der Bewerber sein - und am schönsten wäre es, es wäre dazu noch eine Bewerberin. "Es darf keine Verlegenheitslösung sein", sagte der thüringische Fraktionschef der Linken, Bodo Ramelow, im Interview. "Und auch kein Notnagel".

Schon sind die ersten Namen im Umlauf - zum Beispiel, auf Initiative der Hamburger Parteijugend, der Kabarettist Georg Schramm. Dies sei ein interessanter Vorschlag, sagte Lafontaine, der überaus einflussreiche Ex-Parteichef, der "Saarbrücker Zeitung". Aber ob aus diesen Worten Begeisterung spricht? Am Ende dürfte sich auch die Linkspartei scheuen, einen Satiriker fürs höchste deutsche Staatsamt zu empfehlen. "Eine ganz spannende Persönlichkeit", sagt Ramelow zu Schramm. "Aber ich weiß nicht, ob jemand mit ihm überhaupt schon gesprochen hat."

Bis Donnerstag soll die Entscheidung stehen, dann versammeln sich die führenden Bundes- und Landespolitiker der Linkspartei in Berlin zur Sondersitzung. Findet sich bis dahin kein geeigneter überparteilicher Bewerber, wird die Linkspartei in der Bundesversammlung vermutlich überhaupt keinen Kandidaten aufstellen. Dann werde man die Vorbehalte gegen Joachim Gauck, den Kandidaten der übrigen Parteien im Bundestag, durch Stellungnahmen deutlich machen.

Schramm auch bei Piraten im Gespräch

Für Gauck stimmen wollen die Linken auf keinen Fall. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler sei "ein Kandidat, der ausgrenzend wirkt", sagte Ramelow. Die Linkspartei stört sich vor allem an Gaucks Aussagen zur Sozialpolitik und zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Aber auch Gaucks tiefe Abneigung gegen die DDR macht ihn in der Linkspartei unbeliebt.

Ganz alleine mit dieser Skepsis wird die Linkspartei in der Bundesversammlung nicht sein: Weil die Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus vertreten ist, darf sie am 18. März zwei Wahlmänner oder -frauen in den Reichstag entsenden. Auch sie berät am Donnerstag über Kandidaten und Verfahren. Unter ihren Mitgliedern wird über den Bewerber schon heftig diskutiert: Schramm ist auch bei den Piraten im Gespräch; der ehemalige Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier, der ebenfalls genannt worden war, soll bereits abgewinkt haben.

"Aus Sicht der Piraten ist Gauck eben ein extrem Konservativer", sagte Martin Delius, parlamentarischer Geschäftsführer der Piratenpartei im Abgeordnetenhaus, im Interview.