Wenn beim Amtsantritt von Christian Wulff vor anderthalb Jahren jemand prophezeit hätte, der neue Bundespräsident würde Deutschland vor allem lustiger machen, hätten das wohl nur sehr wenige geglaubt. Denn im Juli 2010 war Wulff eigentlich nur als etwas ungelenker Langweiler bekannt. Ein Mann mit einer Hamburg-Mannheimer-Fönfrisur und blau-gelb gestreifter Krawatte.

Das Aufregendste an Wulff war seine Frau Bettina, von der immer wieder behauptet wird, sie habe nicht nur ein Tattoo. Ansonsten hatten sich die deutschen Bürger auf fünf dröge Jahre eingestellt. Es konnte ja niemand ahnen, was für ein verdammter Entertainer dieser Mann ist.

Wobei das eigentlich gar nicht stimmt. Weil Wulff selbst ja überhaupt nicht witzig ist. Vielleicht gibt es deshalb so viele Witze über ihn. Der Humor hat ein widersprüchliches Wesen. Er entfaltet sich da am liebsten, wo er am wenigsten erwartet wird, wo er am unpassendsten ist. Das ist ja gerade der Witz.

Facebook als Humor-Labor

Es genügt, in diesen Tagen ein wenig durch das Internet zu streifen, und es ergießt sich ein gewaltiger Strom von Wulff-Witzen. Vor allem die sozialen Netzwerke erweisen sich als grandiose Humor-Labore, in denen in Echtzeit-Dialogen die Jokes entstehen.

Sehr beliebt ist die Assoziation des Bundespräsidenten mit Filmtiteln. „Liebling, ich habe die Zinsen geschrumpft“, „Frühstück mit Maschmeyer“, „Der mit dem Wulff tanzt“ und „Einer flog über das Eigenheim“ sind nur ein paar Kreationen, die oft sogar als Plakatentwürfe ins Netz gestellt werden.

Beeindruckend ist, mit wieviel Liebe und Aufwand sich die Bürger über ihren Präsidenten lustig machen. Es hat etwas Lustvolles, Genießerisches. Es ist zu spüren, wie die Wut in der Respektlosigkeit entweicht. Die meisten Witze sind nicht hämisch, sie drücken eher das amüsierte Staunen der Menschen aus, die so viel Dämlichkeit von Wulff nie erwartet hätten.

Interessant ist auch, was zum Beispiel die Franzosen zur Wulff-Krise sagen. In Frankreich sind die Affären der Politiker ja gewöhnlich von ganz anderem Kaliber. Das Unverständnis des französischen Betrachters wird an einem Facebook-Eintrag deutlich.

Jemand hatte ein Foto des Klinkerhauses eingestellt, für dessen Kauf sich Wulff auf so seltsame Weise Kredit verschaffte. Die Franzosen fanden das kleine Haus sehr lustig. „Wie sieht denn das richtige Haus des Präsidenten aus?“, fragte einer. Und viele, viele lachten, als sie die traurige Wahrheit erfuhren.