Bundespräsidentenwahl: Linke will Klarsfeld gegen Gauck antreten lassen

Berlin - Die Linke-Spitze will die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld bei der Bundespräsidentenwahl gegen Joachim Gauck ins Rennen schicken. Mit diesem Personalvorschlag werde die Parteiführung am Montag in die Sitzung des geschäftsführenden Vorstands gehen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Parteikreisen. Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Luc Jochimsen, verzichtet auf eine Kandidatur für die Wahl des Bundespräsidenten am 18. März. Dies sagte die Politikerin am Montag vor einer Sitzung des Bundesvorstands in Berlin. Jochimsen begründete ihren Verzicht damit, dass sie Klarsfeld als Kandidatin nicht im Wege stehen wolle. „Ich würde nie gegen Beate Klarsfeld eine Gegenkandidatur anmelden“, sagte sie. Ihre Kandidatur habe ohnehin nur unter dem Vorbehalt gestanden, dass die anderen Kandidaten absagten. Der Kölner Politik-Professor Christoph Butterwegge hatte am Sonntagabend der Linken überraschend auch eine Absage erteilt.

Der Professor war eine von drei Persönlichkeiten, die die Linke ins Auge gefasst hatte, um sie gegen Joachim Gauck, den gemeinsamen Kandidaten von Union, FDP, SPD und Grünen, für die Wahl am 18. März ins Rennen zu schicken.

Der 61-jährige Butterwegge sagte aber der Nachrichtenagentur dpa in Köln: «Ich stehe nicht zur Verfügung, weil ich morgen Vormittag nicht in eine Kampfabstimmung gegen zwei so honorige Persönlichkeiten reingehen will.» Nach dem Rückzug des parteilosen Kölner Armuts- und Extremismusforschers hat die Linke nun noch die Wahl zwischen der Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld und der Bundestagsabgeordneten Luc Jochimsen.

"Zeitpunkt für eine Nominierung verpasst"

Thüringens Linke-Fraktionsvorsitzender Bodo Ramelow riet seiner Partei, auf einen eigenen Kandidaten zu verzichten. Der richtige Zeitpunkt für eine Nominierung sei verpasst, sagte er der Online-Ausgabe der «Mitteldeutschen Zeitung». «Wenn ich zu entscheiden hätte, dann würde ich sagen, wir nehmen an der Abstimmung nicht teil und versammeln uns stattdessen vor dem Reichstag.» Damit würde die Linke zeigen, «dass wir die 19 Prozent der Bevölkerung, die sich laut Umfragen durch die Nominierung Joachim Gaucks missachtet fühlen, ernst nehmen». Denn Gauck sei ein «Pastor des kalten Herzens», was sich unter anderem in seinen sozialpolitischen Auffassungen zeige.

Linke-Chef Klaus Ernst attestierte Butterwegge am Sonntagabend in der ZDF-Sendung «Berlin direkt» noch, dass er Linke-Themen wie Armut und Sozialstaat «ausgezeichnet präsentiert». Mit Blick auf alle drei möglichen Gegenkandidaten zu Gauck sagte er: «Wir haben drei sehr ehrenwerte Persönlichkeiten angesprochen, ob sie sich vorstellen können für uns zu kandidieren. Alle drei haben gesagt, sie könnten sich das vorstellen.»

Butterwegge sagte der dpa, als man ihm am vergangenen Donnerstag gefragt habe, ob er bereit sei zu einer Kandidatur, sei er nicht davon ausgegangen, dass es tatsächlich auf ein «Dreigestirn» hinauslaufen werde. Er spielte damit auf das für Köln typische Karnevals-Trio an. «Karneval ist vorbei.»

Die Linke war von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als einzige im Bundestag vertretene Partei von der Suche nach einem Konsens- Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl ausgeschlossen worden. Sie lehnt Gauck entschieden ab. (dpa/dapd)