Liegt es daran, dass die Union seit dem Streit um die gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte tief gespalten ist? Verbreitet eine Seite deshalb fiese Spekulationen über die Zukunft von Frauenministerin Kristina Schröder (CDU)? Immerhin hatte sie stets betont, „solange ich Ministerin bin“, werde es keine starre Quote geben. Nun aber müsste sie im Falle einer erfolgreichen Wiederwahl im Herbst eben doch ein Gesetz erarbeiten, das ab 2020 eine 30-Prozent-Frauenquote vorschreibt – so fordert es zumindest der parteiinternen Kompromiss zur Quote.

So wird es aber nicht kommen, behaupten nun führende Chistdemokraten und Schröders CDU-Landesverband in Hessen laut Bild am Sonntag. Schröder wolle nach der Wahl nicht Ministerin bleiben, wisse man da, vor allem aus Rücksicht auf ihre zweijährigen Tochter. Tatsächlich hatte Schröder – die erste Ministerin, die im Amt Mutter wurde – bereits im März auf die CDU-Spitzenkandidatur in Hessen verzichtet. Grund sei aber nicht nur die Niederlage im internen Quotenstreit oder die inhaltliche Differenz mit der Hessen-CDU zur Homo-Ehe, sondern „ihre Familiensituation“, berichte Schröders Umfeld. Der Spagat zwischen Ministerium und Muttersein sei zu hart – und das Muttersein sei ihr wichtiger.

Ministerium: Kein Kommentar

Das Bundesfamilienministerium wollte die Meldung am Sonntag nicht kommentieren. Zu einem anderen Konflikt meldete es sich dagegen zu Wort: Es dementierte Meldungen, wonach die im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Firmen von der Ministerin abrücken. Die Welt am Sonntag hatte berichtet, dass die Konzerne nicht mehr mit Schröder gemeinsam auftreten wollen, wenn sie Bilanz über den Frauenanteil unter ihren Führungskräften ablegen. So wollten die Firmen demonstrieren, dass sie sich beim Thema Frauenförderung Einmischung der Politik verbitten. Man brauche keine „politische Nachhilfe durch eine gesetzlich verordnete Quote“, sagte E.on-Personalvorstand Regine Stachelhaus, dem Blatt. Der jährliche Bericht sei eine Initiative der Wirtschaft und nicht der Regierung.

Schröders Haus widersprach dem nun ausgerechnet mit dem Satz, die Ministerin habe den Konzernen selbst vorgeschlagen, den Bericht ohne sie vorzustellen – mit derselben Begründung. Sie findet ja auch, die Politik solle sich aus der Frauenförderung der Firmen möglichst weit heraushalten. Ob der fragliche Statusbericht, aus dem Focus und Welt am Sonntag vorab zitierten, Schröders Ansatz bestätigt oder nicht, ist Ansichtssache: Einerseits haben sechs der 30 Dax-Unternehmen heute mehr weibliche Führungskräfte als im Vorjahr. Die 30-Prozent-Quote erfüllt aber nur der Chemiekonzern Henkel mit 30,4 Prozent. 20 Prozent Frauen auf Spitzenposten oder mehr haben acht weitere Firkmen: Allianz (26,7), Adidas (26), Commerzbank (24), Beiersdorf (22,5), Fresenius (22,2), Münchener Rück (21), Fresenius Medical (20,2) und Merck (20 Prozent).

Elf der 30 Firmen rangieren aber noch unter 12 Prozent, ganz unten HeidelbergCement (7), Continental (7,3), ThyssenKrupp (8,1), VW (9,3) und RWE (9,6). Bei Bayer, HeidelbergCement und Lufthansa stagnierte die Quote.

Hielten die bisherigen Steigerungsraten also an, würden die meisten der Unternehmen die neue CDU/CSU-Wunschquote von 30 Prozent bis 2020 klar verfehlen.