Berlin - Auf Führungsposten der Bundestagsverwaltung sind Ostdeutsche entweder nicht vorhanden oder deutlich unterrepräsentiert. Das ergibt sich aus einer Antwort der Bundestagsverwaltung auf eine Anfrage der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Online-Ausgabe).

„Es gibt derzeit keine ostdeutsche Abteilungsleiterin und keinen ostdeutschen Abteilungsleiter in der Bundestagsverwaltung“, sagte ein Sprecher dem Blatt. „Von den derzeit 14 besetzten Unterabteilungsleitungen wird eine durch eine ostdeutsche Führungskraft wahrgenommen. Vier der insgesamt 101 Referats-, Fachbereichs- und Sekretariatsleiterinnen und -leiter haben einen ostdeutschen Hintergrund.“

In der Bundestagsverwaltung arbeiten insgesamt rund 3000 Menschen. Neben dem Direktor gibt es vier Abteilungsleiter, darunter wiederum Unterabteilungsleiter und Referatsleiter. Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ zur fehlenden Repräsentanz Ostdeutscher: „Ich bedauere das. Da müsste doch mittlerweile Normalität eingekehrt sein.“ In den 1990er-Jahren hätten Ostdeutsche ja noch keine Führungspositionen einnehmen können, da sie erst langsam von unten hätten nachrücken müssen, so Thierse.

„Völlig inakzeptabel“

Doch diese Zeiten seien vorüber. Deutliche Kritik äußerte der Sprecher der Landesgruppe Ost in der Linksfraktion, Matthias Höhn. „Das ist knapp 28 Jahre nach der Vereinigung völlig inakzeptabel und nur die Spitze des Eisbergs einer strukturellen Benachteiligung bei allen Führungspositionen sowohl in der Verwaltung als auch in der Wirtschaft“, erklärte er der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Vielleicht sollten sich der Bundestagspräsident und der Ältestenrat mal darüber verständigen, wie man das in absehbarer Zeit ändern kann.“ Der Landesgruppe Ost gehören 26 von 69 linken Abgeordneten an.

Die Grüne Claudia Müller, Sprecherin der Ost-Abgeordneten ihrer Fraktion, sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“: „Das ist noch schlimmer als erwartet. Gerade am Standort Berlin würde man einen höheren Anteil an Ostdeutschen annehmen. Das zeigt, dass es gerade im öffentlichen Bereich einen größeren Nachholbedarf gibt. Darüber müssen wir ernsthaft reden.“

Erst im vorigen Jahr warenSoziologen der Universität Jena und der Hochschule Zittau/Görlitz zu dem Ergebnis gelangt, dass gerade einmal 1,7 Prozent der Spitzenpositionen in Deutschland  von Ostdeutschen besetzt seien – und das bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 17 Prozent. Bei den Führungsposten in Ostdeutschland selbst ist die Lage oft ähnlich, wenn auch nicht so krass. (red)