Bundestagswahl 2017: AfD und FDP profitieren vom großen Verlierer des Abends

Berlin - Zwei Parteien können mit ihrem Ergebnis besonders zufrieden sein: Die AfD und die FDP. Interessanterweise verdanken beide einen guten Teil ihres Erfolges dem gleichen Blutspender: Dem großen Verlierer des Abends, der CDU/CSU. 1,3 Millionen Wähler, die vor vier Jahren Union gewählt haben, stimmten nun für die FDP. Und noch einmal eine Million ehemaliger Unionswähler gingen zur AfD. Beide Entwicklungen sind leicht nachvollziehbar.

Das besonders gute Ergebnis der Union vor vier Jahren, knapp unter der absoluten Mehrheit der Mandate, war damals auch auf eine Wählerwanderung in umgekehrter Richtung zurückzuführen. So viele von der FDP enttäuschte Wähler stimmten 2013 für die Kanzlerpartei, dass die Liberalen aus dem Bundestag fielen. Ihre Rückkehr ins Parlament verdanken sie nun der Rückkehr vieler einstiger Anhänger – genau gesagt machten diese 33 Prozent ihrer Wähler aus.

Mit der AfD gegen die CDU

Dass die Union gleichzeitig rechts eine offene Flanke hat, wie es der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer am Wahlabend formulierte, ist ebenfalls keine Neuigkeit. Die für FDP-Anhänger attraktive Entwicklung der CDU unter Führung Angela Merkels in die gesellschaftspolitische Mitte war für ihre konservative Klientel ein Graus. Mit der AfD bot sich ihnen nun erstmals die realistische Möglichkeit, dem Kurs der CDU-Vorsitzenden eine wirksame Gegenstimme entgegen zu setzen. Davon haben offenbar sehr viele Gebrauch gemacht – deutlich mehr, als die Demoskopen und mithin auch die Partei selber erwartet haben.

Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang auch der starke Verlust der CSU in Bayern. Sie galt stets als der zuverlässigste Mehrheitsbeschaffer für Unionskanzler, diesen Nimbus hat Seehofer nun verspielt. Seine Doppelstrategie – einerseits Opposition gegenüber der Flüchtlingspolitik Merkels,  sie andererseits im Wahlkampf aber als die größte Kanzlerin aller Zeit zu feiern, ist nicht aufgegangen. Viele Kritiker der Flüchtlingspolitik haben nicht die Taktiker der CSU, sondern gleich die Leute mit der klaren ausländerfeindlichen Ansage gewählt. Daher will Seehofer nun die offene rechte Flanke schließen. Wie ihm das mit Koalitionspartnern wie Grünen und Liberalen gelingen soll, wird interessant zu beobachten sein.

Im Osten wählen viele AfD

Allerdings ist nach den Wahlanalysen auch klar, dass das Gros der AfD Wähler nicht etwa aus Bayern, sondern aus Ostdeutschland stammt. Dort ist sie mit 22,8 Prozent der Stimmen zweitstärkste Partei geworden, gar nicht so weit hinter der CDU mit 28,6 Prozent. Dazu passt, dass 27 Prozent aller ostdeutschen Männer die AfD gewählt haben – in diese Gruppe ist sie wirklich die stärkste Partei, vor der CDU mit 24 Prozent. Aber warum wählen eigentlich so viele Menschen die AfD? Weil sie deren Programm so überzeugend finden? Keineswegs. Während alle anderen Parteien mehrheitlich für ihre politischen Grundsätze gewählt werden, haben 60 Prozent der AfD-Wähler ein ganz anderes Motiv: Es ist die Enttäuschung über die Arbeit der anderen Parteien.