Sie einen haben jahrelange Erfahrungen, die anderen sind absolute Neulinge: 28 Bundestagsabgeordnete vertreten Berlin im nächsten Bundestag. Gewählt von rund 1,9 Millionen Berlinern, die am Sonntag ihre Stimme abgegeben haben.

Zu den Gewinnern der Wahlnacht gehört die 51-jährige Canan Bayram von den Grünen. Sie hat in Friedrichshain-Kreuzberg den ehemaligen Wahlkreis von Christian Ströbele gewonnen, der nicht wieder angetreten war. Viel geschlafen hat Bayram aber nicht. „Kreuzberger Nächte sind lang“, sagte die Grünen-Politikerin am Montag.

Erst gegen drei Uhr morgens war klar, dass sie den Wahlkreis gewonnen hat - und somit das einzige Direktmandat der Grünen in Deutschland holte. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen landete Bayram mit 26,3 Prozent der Erststimmen knapp vor Pascal Meiser von den Linken mit 24,9 Prozent, zeitweise trennten die beiden nur etwas mehr als 100 Stimmen. SPD-Frau Cansel Kiziltepe kam auf Platz 3.

Deutlich wurde dabei: Friedrichshain-Kreuzberg hat links gewählt. Die Bewerber der Grünen, Linken und SPD erreichten bei den Erststimmen rund 68 Prozent. In ganz Berlin war die Unterstützung für Rot-Rot-Grün zwar nicht ganz so hoch, aber im Schnitt konnten die drei im Roten Rathaus regierenden Parteien immer noch fast 54 Prozent der Erststimmen auf sich vereinigen. Bei den Zweitstimmen waren es 49,3 Prozent.

Tim Renner bekam nur 27,6 Prozent der Stimmen

Verlierer des Wahlabends ist der ehemalige Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD). Er lieferte sich in Charlottenburg-Wilmersdorf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Klaus-Dieter Gröhler von der CDU. Anfangs führte Renner, dann überholte ihn Gröhler. Der Bundeswahlleiter erklärte schließlich Renner in der Nacht mit 28,8 Prozent der Stimmen zum Sieger – fälschlicherweise, denn die Landeswahlleiterin in Berlin sah weiter Gröhler in Front.

Renner hatte nur 27,6 Prozent der Stimmen bekommen, sein Widersacher von der CDU erreichte 30,2 Prozent. Auch die Ergebnisse anderer Kandidaten wichen beim Bundeswahlleiter und der Landeswahlleiterin voneinander ab. So im Wahlkreis Spandau. Der Bundeswahlleiter räumte später ein, dass er beide Ergebnisse falsch veröffentlicht habe. Renner kommentierte das Aus auf seiner Facebookseite mit den Worten: „Sch****e, knapp vorbei ist auch daneben.“

Weil mehrere Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses künftig dem Bundestag angehören, hat die Wahl auch personelle Veränderungen im Berliner Landesparlament zur Folge. So zieht bei den Grünen neben Canan Bayram der Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar in den Bundestag ein.

Dafür rücken nun Nicole Ludwig und Daniela Billig ins Abgeordnetenhaus nach, wie die Grünen-Fraktion am Montag mitteilte. Produktmanagerin Ludwig (46) war dort bereits von 2011 bis 2016 vertreten. Bille (47) ist Ägyptologin und bisher Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bezirksparlament von Pankow.

Auch der integrationspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Gottfried Curio, zog über die Landesliste seiner Partei in den Bundestag ein. Für ihn rückt Tommy Tabor nach. Er ist stellvertretender AfD-Bezirksvorsitzender und Bezirksverordneter in Spandau. Wer nachrückt, richtet sich nach den Landeslisten, mit denen die Parteien zur Abgeordnetenhauswahl 2016 antraten. (mit dom, dpa)