Berlin - Die Opposition im Bundestag hat sich am Freitag ein wenig Konkurrenz gemacht. Zeitgleich um elf Uhr morgens stellten Linke und Grüne ihre Wahlkampagnen vor, Erstere im Karl-Liebknecht-Haus, der Parteizentrale also, Letztere in einer Halle in Berlin-Prenzlauer Berg, vielleicht drei Kilometer nördlich davon. Beide Parteien sind in den Umfragen der vergangenen Wochen wie einbetoniert, die Linke im Schnitt bei neun Prozent, die Grünen meist einen Prozentpunkt dahinter bei acht. Ihnen sitzen die FDP und die AfD im Nacken. Im Grunde liegen alle vier Parteien recht stabil fast gleichauf.

„Die Linke ist die einzige Partei, die klar und deutlich sagt: Wir werden die Kanzlerschaft von Angela Merkel nicht verlängern“, sagte ihr Spitzenkandidat Dietmar Bartsch bei der Präsentation. „Wir wollen drittstärkste Kraft bleiben.“ Vor allem kämpfe seine Partei für einen Politikwechsel in Deutschland. Die Linke schließt eine rot-rot-grüne Koalition denn auch nicht aus. Eine andere Option kommt aus ihrer Sicht ohnehin nicht in Betracht.

Neben Motiven mit den Spitzenkandidaten und Parteivorsitzenden hielten Bartsch und Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn gestern Themenplakate mit Schlagwörtern und knappen Botschaften bereit. So steht auf einem rosafarbenen Herz „Kinder - vor Armut schützen“. Auf anderen Plakaten ist zu lesen: „Verdient - sicherer Job, planbares Leben“, „Frieden - abrüsten! Rüstungsexporte stoppen“, „Nähe - Mehr Personal in Pflege und Gesundheit“ oder „Gerecht - Millionäre besteuern, mehr Geld für Kitas und Schulen“.

„Integration muss man umsetzen. Nicht aussitzen.“

Für die Grünen erklärte Spitzenkandidat Cem Özdemir, der mit Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt gekommen war: „Das Rennen um Platz drei ist eröffnet.“ Die Partei stellt den Klimaschutz in den Mittelpunkt ihrer Kampagne. So steht auf einem der Plakate: „Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles nichts.“ Und auf einem Plakat mit Özdemirs Konterfei: „Zwischen Umwelt und Wirtschaft gehört kein oder.“ Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Ökopartei den Wandel gemeinsam mit der Wirtschaft gestalten will und nicht ohne – was unter anderem angesichts der neuesten Nachrichten aus der Automobilindustrie schwierig wird. Der Schwabe betonte jedenfalls, wenn Abgaswerte manipuliert würden, dann sei klar, wer dafür die Verantwortung trage.

Die in Grün, Magenta und Gelb gehaltenen Themen-Plakate haben Aufschriften wie: „Integration muss man umsetzen. Nicht aussitzen.“ Und: „Von weniger Europa hat keiner mehr.“ Oder: „Wenn man gleich viel leistet, sollte Frau auch gleich viel verdienen.“ Was fehlt, ist ein Plakat zur Ehe für alle. Denn das von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Gesetz hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ja soeben unterzeichnet.

Bald beginnt die heiße Phase

Bei Linken wie Grünen ist es so, dass noch nicht alle Plakatmotive feststehen, weil sich die Wahlkampfmanager darauf einstellen, noch auf aktuelle Ereignisse reagieren zu müssen. Allerdings ist dies online bei weitem einfacher als bei gedruckten Plakaten – was in der Natur der Sache liegt, weil Print einen längeren Vorlauf braucht. Bekannt ist, dass sich immer mehr Wähler immer später entscheiden, so dass die Akteure aller Parteien bei Bedarf auch gegen Ende noch „etwas im Köcher haben“ wollen.

Viel Zeit bleibt nicht mehr. Bis zur Wahl am 24. September waren es von Freitag aus gesehen noch 65 Tage. Bis Mitte bzw. Ende August dürfte weithin Urlaubsfriede herrschen – wobei etwa die Linke Urlauber auch an der Ostsee aufsuchen wird. Anschließend geht die heiße Phase los.