SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat sich in der vorigen Woche sowohl mit den grünen Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir als auch mit den Linksparteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger getroffen. Mit Göring-Eckardt und Özdemir kam er am Montag zusammen, mit Kipping und Riexinger am Dienstag. Über den Inhalt der Gespräche wurde jeweils Stillschweigen vereinbart. Allerdings nährt ihr Zustandekommen Spekulationen über ein linkes Bündnis nach der Bundestagswahl.

Özdemir sagte kürzlich, die SPD stehe seiner Partei natürlich näher als CDU und CSU. Angesichts der guten Umfragewerte der SPD rücke eine rot-grüne Koalition nun wieder in den Bereich des Machbaren. Riexinger erklärte der Berliner Zeitung: „Wir hatten ein gutes Gespräch in guter Atmosphäre. Und wir gehen davon aus, dass der Kontakt gehalten wird und wir nach den Landtagswahlen wieder miteinander reden.“ Mit Blick auf die jüngsten Umfragen fügte er hinzu: „Allein durch den Tatbestand, dass Rot-Rot-Grün arithmetisch in den Bereich des Möglichen rückt, kriegt das jetzt eine andere Ernsthaftigkeit.“ Riexinger betonte: „Das ist eine Riesenchance für uns.“

Das Saarland könnte entscheidend sein

Freilich sei das, was Schulz bisher an Reformvorschlägen zum Arbeitslosengeld I auf den Tisch gelegt habe, definitiv zu wenig. So fehlten etwa Aussagen zur Steuergerechtigkeit. So oder so gelte: „Was die SPD verspricht, wird ohne uns nicht Wirklichkeit. Wir wollen den Politikwechsel.“

Die linke Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht hatte sich in den letzten Wochen mal wohlwollend und mal weniger wohlwollend zu den Chancen einer rot-rot-grünen Koalition geäußert. Die Debatte könnte neuen Auftrieb bekommen, wenn nach der saarländischen Landtagswahl in Saarbrücken eine rot-rot-grüne oder gar eine rot-rote Koalition zustande kommt. Spitzenkandidat dort ist Oskar Lafontaine, der einer Linkskoalition im Bund bisher eher skeptisch gegenüber stand. Dies könnte sich ändern, wenn die Linke im Saarland in die Regierung einzieht.