Bundestagswahl: Themen, Machtwechsel, Kandidaten: Ein Rückblick auf die Wahlen seit 1949

Alle Augen richten sich auf den 24. September. Doch wie war das bei früheren Bundestagswahlen? Worum wurde gestritten? Und wer gewann am Ende? Ein Rückblick.

1949 – Harter Wahlkampf mit knappem Ausgang

Vier Jahre nach Kriegsende liegt Deutschland noch am Boden. Aber die Basis für einen Aufschwung ist im Westen mit Marshallplan und Währungsreform bereits gelegt. Der beginnende Kalte Krieg hat die Ost-West-Spaltung jedoch vertieft, die Angst vor „den Russen“ ist groß. Nach einem harten Wahlkampf setzt sich Konrad Adenauer (CDU), der Spitzenkandidat der neu gegründeten Unionsparteien, 1949 mit knapper Mehrheit durch. Der erste Bundeskanzler prägt Westdeutschland bis 1963.

Die SPD sieht sich bereits als führende Kraft des Neuaufbaus. Doch ihr Vorsitzender Kurt Schumacher unterschätzt die Konkurrenten und ihr Aushängeschild Adenauer. Der rückt die SPD in die Nähe der Kommunisten. Wahllokomotive der Unionsparteien ist Wirtschaftsexperte Ludwig Erhard. Mit ihm setzt die Union auf das Modell einer sozialen Marktwirtschaft und eine Anbindung an den Westen. Die SPD will eine regulierte Planwirtschaft und hält an der Gestaltung Deutschlands als Gesamtstaat fest.

Wahlergebnis am 14. August 1949 (keine bundesweite Sperrklausel):

1953 – Adenauers Sieg zementiert des Westkurs

Ähnlich wie heute scheint 1953 die Bundestagswahl in den Umfragen schon vorher gelaufen zu sein. Doch am Abend des 6. September übertrifft das Ergebnis alle Erwartungen: Die Union erringt einen triumphalen Sieg. Der bereits 77-jährige Kanzler Konrad Adenauer (CDU) kann seinen Kurs der Westbindung fortsetzen und absichern.
Nicht zuletzt der DDR-Volksaufstand vom 17. Juni kommt ihm im Wahlkampf zugute. Unter dem Eindruck der von Sowjetpanzern niedergewalzten Proteste warnt die Kanzlerpartei mit einer drastischen Parole vor der SPD: „Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau!“ Als Garant für wachsenden Wohlstand wird Ludwig Erhards soziale Marktwirtschaft gepriesen.

Dem haben die Sozialdemokraten wenig entgegenzusetzen. Ihr Kanzlerkandidat und Parteichef Erich Ollenhauer gilt als farblose Gestalt. Auch der Slogan „Deutsche Einheit. Darum SPD“ verfängt angesichts der Ereignisse in der DDR nicht.

Wahlergebnis am 6. September 1953 (erstmals 2 Stimmen, bundesweite Sperrklausel)

1957 – „Keine Experimente“-Slogan beschert Adenauer absolute Mehrheit

„Keine Experimente! Konrad Adenauer.“ Der Slogan ist schlicht und der Kanzler schon 81. Und dennoch: Die CDU/CSU erringt bei der Bundestagswahl 1957 erst- und einmalig die absolute Mehrheit. Das einstige französische Saarprotektorat darf jetzt mitwählen.

Der Patriarch Adenauer setzt erfolgreich darauf, dass die Westdeutschen die Erfolge des Wirtschaftswunders und seine Politik der Westbindung nicht aufs Spiel setzen wollen. Wie 1953 spielt ihm die Angst vor dem Kommunismus in die Hände. Die Niederschlagung des Ungarnaufstands durch die Sowjetunion 1956 belebt sie neu. Ein Sieg der SPD würde den „Untergang Deutschlands“ bedeuten, warnt Adenauer im Wahlkampf.

Der SPD-Slogan „Hör' auf Deine Frau - wähl' SPD“ zündet nicht. Die Partei und ihr Kandidat Erich Ollenhauer können mit der Forderung nach einem Nato-Austritt und der Warnung vor Atomwaffen wenig ausrichten. Auch ihre Zustimmung zu Adenauers Rentenreform von Anfang 1957 honorieren die Wähler nicht.

Wahlergebnis am 15. September 1957

1961 – Adenauer wird zum Kanzler auf Abruf

Es ist der Anfang vom Ende einer 14-jährigen Ära. Bei der Wahl am 17. September 1961 kann Konrad Adenauer (CDU) seine Kanzlerschaft ein letztes Mal verteidigen - allerdings nur befristet. In Koalitionsgesprächen mit der FDP muss sich der schon 85-Jährige verpflichten, nach zwei Jahren zurückzutreten. Erstmals gibt es nur noch drei Fraktionen im Parlament.

Der Wahlkampf wird in der Schlussphase vom Bau der Berliner Mauer überschattet. Adenauer besucht die geteilte Stadt erst neun Tage später. Das wird ihm ebenso verübelt wie seine öffentlichen Hinweise auf die Exiljahre und die uneheliche Geburt seines SPD-Herausforderers Willy Brandt („Brandt alias Frahm“).

Die Vollbeschäftigung mit unter einem Prozent Arbeitslosigkeit kommt der Union kaum zugute. Brandt, der populäre Regierende Bürgermeister von Berlin, soll den Eindruck von Jugend und Erneuerung vermitteln. Seine Partei hat sich 1959 auf den Weg von der Arbeiter- zur Volkspartei gemacht.

Wahlergebnis am 17. September 1961

1965 – „Volkskanzler“ Erhard als Übergangsfigur

Ludwig Erhard, seit 1963 Konrad Adenauers ungeliebter Nachfolger, präsentiert sich den Wählern 1965 als „Volkskanzler“. Wochenlang haben Meinungsumfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SPD-Kontrahenten Willy Brandt vorausgesagt. Die Popularität des CDU-Politikers als „Vater des Wirtschaftswunders“ zahlt sich jedoch am Wahltag ein letztes Mal aus. Er regiert weiter mit der FDP. Bereits ein Jahr später drängt ihn die eigene Partei aus dem Amt.

Zentrales Thema der SPD ist eine „neue Ostpolitik“ der kleinen Schritte. Für Brandt und einen Regierungswechsel setzen sich viele Prominente aus Literatur und Kunst ein. Erhard nennt sie verächtlich „Banausen“ und „Pinscher“. Sie hätten von „Tuten und Blasen keine Ahnung“. Erhards Nimbus als Garant des Wohlstands sichert der Union das bis dato zweitbeste Ergebnis.

Wahlergebnis am 19. September 1965

1969 – Machtwechsel und Kehrtwende

Es ist ein spannender Wahlkrimi. Als am 28. September 1969 spätabends feststeht, dass die rechtsextreme NPD an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, bietet SPD-Kanzlerkandidat Willy Brandt FDP-Chef Walter Scheel ein Regierungsbündnis an. Sein „Wir machen es“ ist der Startschuss zur ersten sozialliberalen Koalition. Der seit 1966 amtierende Kanzler der ersten großen Koalition von Union und SPD, Kurt Georg Kiesinger (CDU), nimmt schon siegessicher die Glückwünsche von US-Präsident Richard Nixon entgegen.

Bereits seit März 1969 gibt es heftigen Streit zwischen den Regierungsparteien. SPD-Mann Gustav Heinemann sieht in seiner Wahl zum Bundespräsidenten mit Stimmen der FDP und gegen die Union „ein Stück Machtwechsel“. Die SPD wirbt mit den Erfolgen ihres Außenministers Willy Brandt und gemeinsam mit der FDP für Reformen. Die Union stellt den in Umfragen beliebteren Kiesinger ganz in den Mittelpunkt ihrer Kampagne: „Auf den Kanzler kommt es an.“ Die FDP kann mit dem Versprechen „Wir schaffen die alten Zöpfe ab“ nicht punkten.

Wahlergebnis am 28. September 1969