Berlin - Als Angela Merkel nach 1990 die ersten Wahlkampfauftritte im Westen zu absolvieren hatte, mokierte sie sich manchmal über die Zahl der Wahltermine. Man habe ja das Gefühl, dass ständig irgendwo gewählt werde in der Bundesrepublik, sagte sie. Aus dem Munde einer aus der DDR stammenden Politikerin, wo es gar keine richtigen Wahlen gab, kam das nicht so gut an. Merkel verzichtete dann bald lieber auf diese Bemerkung. Dabei wusste jeder, dass die Beobachtung ja nicht falsch war. Es wird viel gewählt in Deutschland mit seinem föderalen System, und 2017 trägt zu Recht einmal wieder den Titel: Superwahljahr. Drei Landtagswahlen und schließlich die Bundestagwahl werden das Land bis in den September hinein mit einer Art ununterbrochenem Wahlkampf prägen. Zählt man noch die Kür des Bundespräsidenten im Februar hinzu, so sind es sogar fünf Wahlen.

Das erste entscheidende Datum aber wird schon der 10. Januar sein, wenn die Führung der Sozialdemokraten sich auf den Kanzlerkandidaten der SPD verständigen will. Sigmar Gabriel, der Parteivorsitzende, oder Martin Schulz, der bisherige Präsident des Europaparlaments, zwischen diesen beiden wird wohl die Entscheidung fallen. Wenn klar ist, wer für die SPD gegen Angela Merkel antritt, wird die strategische Auseinandersetzung zwischen Sozialdemokraten und Christdemokraten um die Macht in Lande beginnen, auch wenn CDU/CSU und SPD noch bis zur Wahl im September in der großen Koalition aneinander gebunden sind.

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