Die AfD gewinnt 16 Direktmandate für den Bundestag

Die meisten Kreise holte sie in Sachsen. 39 Stimmen fehlten, um ein weiteres Mandat zu gewinnen. In Berlin gewann sie zwei Direktmandate fürs Abgeordnetenhaus.

Beatrix von Storch, stellvertretende Bundessprecherin der AfD, bei der Wahlparty der AfD in Kaulsdorf. Sie wurde über die Berliner Landesliste in den Bundestag gewählt.
Beatrix von Storch, stellvertretende Bundessprecherin der AfD, bei der Wahlparty der AfD in Kaulsdorf. Sie wurde über die Berliner Landesliste in den Bundestag gewählt.dpa/Julian Stratenschulte

Berlin- Die AfD hat 16 Direktmandate für den Bundestag gewonnen. Das sind acht  mehr als bei der Wahl davor. All diese Mandate holte sie im Osten des Landes, allein zehn in Sachsen, wo 16 Direktmandate vergeben wurden. Fast wäre noch ein weiteres Mandat für die rechtsnationale bis rechtsradikale Partei dazugekommen: Denn sie punktete auch in der Landeshauptstadt Dresden. Dort holte zwar die CDU beide Direktmandate, aber eines nur äußerst knapp: Beide Parteien lagen prozentual gleichauf, aber die CDU hatte 39 Stimmen mehr.

In Thüringen gewann die AfD vier Direktmandate und in Sachsen-Anhalt zwei. Die Partei ist im Osten vor allem im konservativen Süden stark, wo einst die CDU dominierte. Im Süden von Ostdeutschland zieht sich heute ein blauer AfD-Gürtel entlang. Je weiter nördlich, um so sozialdemokratischer wurde im Osten gewählt: So ist Sachsen-Anhalt in einen roten Norden und eine blau-schwarzen Süden geteilt. Die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gingen komplett an die SPD. Wohlgemerkt bei den Erststimmen.

Bei den Zweitstimmen hat die AfD das von einigen Parteigrößen ausgegeben Wahlziel von 15 Prozent klar verfehlt, es wurde auch nicht das 12,6-Ergebnis von 2017, sondern 10,3 Prozent. Die Hauptgründe sind, dass die Partei von den meisten als rechtsradikal angesehen wird und im Wahlkampf kein Thema fand, mit dem sie andere Schichten als ihre Stammwähler ansprechen konnte. Dazu kommt, dass die AfD von den anderen nicht als demokratische Partei eingestuft wird: Niemand will mit ihr koalieren – und eine Partei ohne Machtoption ist für viele Wähler nicht interessant.

Im Osten ist die AfD in Berlin am schwächsten

Allerdings ist die AfD im Osten inzwischen statistisch in der Rolle einer Volkspartei angekommen: In Sachsen ist sie mit 24,6 Prozent stärkste Partei, in Thüringen ebenfalls mit 26,4 Prozent. Der dortige Landeschef Björn Höcke schreibt im Internet zum Wahlausgang: „Wenn wir Kurs halten, wird in Thüringen mittelfristig an der AfD nicht mehr vorbeizukommen sein. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Bei der nächsten Landtagswahl wollen wir stärkste Kraft werden.“ In Sachsen-Anhalt ist sie mit 20 Prozent kurz hinter CDU und SPD, hat aber doppelt so viele Stimmen wie die Linke. In Brandenburg steht sie hinter der SPD auf Platz 2, in Mecklenburg-Vorpommern ist sie auf Platz drei kurz hinter  SPD und CDU.

Am schwächsten im Osten ist die AfD in Berlin. Dort verlor sie bei der Bundestagswahl 3,6 Prozentpunkte und ist nun nicht mehr zweistellig. Aber auch in Berlin holte sie wieder Direktmandate, allerdings nicht für den Bundestag, sondern für das Abgeordnetenhaus. Dort hatte die AfD bei der Wahl davor fünf Direktmandate, nun sind es nur noch zwei, beide in Marzahn-Hellersdorf. Der bisherige AfD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus Georg Pazderski wollte dieses Mal in den Bundestag, scheiterte allerdings, weil nur die ersten drei  der Berliner Liste dort einziehen, er aber auf Platz vier stand.

Padzderski gehört zu den eher gemäßigteren Kräften in der AfD, die sich gegen den viel radikaleren Kreis um Höcke stellen. Der war lange Zeit der Chef der als rechtsextrem einstuften Parteigruppierung „Der Flügel“. Nun wird erwartet, dass der Machtkampf zwischen den Höcke-Anhängern und dem Lager des gemäßigteren Parteichefs Jörg Meuthen offen ausbricht.