Seit Mittwoch ist klar, dass nun wirklich zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik drei Parteien die Bundesregierung bilden werden. Die Ampel aus SPD, FDP und Grünen steht, wie Olaf Scholz verkündete. Das kann man daher durchaus als historischen Moment begreifen. Es ist schon verständlich, dass bei den Beteiligten eine gewisse feierliche Andacht zu spüren war, als sie den Koalitionsvertrag vorstellten.

Das Werk umfasst 178 Seiten und scheint – auf den ersten Blick geurteilt – eher allgemein gehalten zu sein. Das ist eine Enttäuschung, denn die Aufgaben sind riesig und alle Welt dachte bisher, dass die Koalitionsverhandlungen deshalb so diskret gehandhabt wurden, weil es hinter verschlossenen Türen so zur Sache geht.

Die genaue Liste der Ressorts und ihre Verteilung auf die Ampel-Parteien wurde am Mittwoch nicht offiziell vorgestellt. Sie ist aber – anders als die Inhalte der Verhandlungen in den letzten Wochen – schon mal durchgesickert. Der erste Eindruck: Alle machen weitgehend das, was sie immer schon gemacht haben. Finanzen bekommen die Liberalen, die Umwelt die Grünen und die SPD macht weiter Arbeit und Soziales. Wo bleibt da der Aufbruch?

Robert Habeck zeigte sich bei der Pressekonferenz am Mittwoch überzeugt davon, dass die Koalition das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens einhalten wird. Es bleibt sein Geheimnis, wie er da so sicher sein kann. Von genauen Summen, wie viel in den Klimaschutz investiert wird, ist im Vertrag ebenso wenig die Rede wie von einem Vetorecht des Klimaministers. Sollte das Thema demnach also doch nur eines von vielen sein?

Gut möglich, dass das ohnehin Luxussorgen sind. Die Pandemie zeigt, dass auch diese Regierung erst mal im Krisenmodus arbeiten wird. Wer weiß, vielleicht wird das Durchwurstelns auch die Hauptaufgabe der Ampel. Angela Merkel hat für ihren Nachfolger da sicher ein paar Ratschläge.