Berlin - Am Wahlabend gab es Momente, in denen Rolf Mützenich unentschlossen und unsicher wirkte. Die SPD hatte gewonnen, zog als stärkste Fraktion in den neuen Bundestag. Natürlich sagte der Kölner am Abend im Willy-Brandt-Haus, dass er seinen Auftrag nach diesem Wahlsieg als weiterer Fraktionschef sehe – und wurde ein paar Tage später mit 97 Prozent wiedergewählt. Trotzdem schien er zu zaudern – vielleicht, weil er gerne was anderes gemacht hätte. Bundestagspräsident beispielsweise. Sein Name jedenfalls kommt immer wieder aufs Tapet. Und ganz so abgeneigt scheint er nicht.

Rolf Mützenich sitzt seit fast 20 Jahren im Parlament, vorher war er in der öffentlichen Verwaltung. Er kommt aus einem Kölner Arbeiterhaushalt, machte erst den Hauptschulabschluss und danach Abitur.

In der Partei hat der eher zurückhaltende, stets höfliche Mützenich Gewicht. Der damalige Fraktionschef Peter Struck zitierte ihn immer herbei, wenn es um Rüstungs- oder Verteidigungsfragen ging. Das solle der „Mütze“ erklären, sagte Struck. Dieser tat es unaufdringlich – und alle hörten ihm zu. Außenpolitik, das ist Mützenichs Thema. In der SPD gehen viele immer noch gerne zu ihm, wenn sie die Welt erklärt bekommen wollen. Und er kämpft seit jeher für Frieden und den Abzug der US-Atomwaffen – und hat auch der Fraktion einen links-pazifistischen Kurs verpasst.

Dass der SPD-Politiker 2019 Fraktionschef wurde, war eher einem Zufall geschuldet. Andrea Nahles trat von ihren Posten als Partei- und Fraktionschefin zurück. Die SPD steckte erneut in einer Krise, es gab einen Machtkampf um den Parteivorsitz. Nicht aber um den Fraktionsvorsitz, den Mützenich geräuschlos übernahm. 

Natürlich kann Mützenich auch Strippen ziehen, aber er gilt dennoch als bescheiden. Ob er wirklich Wolfgang Schäuble als Bundestagspräsident beerbt, wird sich zeigen. Gerade wird von einigen in der Partei verlangt, dass der Posten mit einer Frau besetzt werden müsste. Das ist auch für eine Wiederwahl von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 2022 nicht unerheblich – denn dann könnte er es als dritter Mann an der SPD-Spitze schwer haben.