Berlin - Der erste Versuch endet noch vor dem Eingang: Eine Menschenschlange reiht sich draußen auf dem Gehweg. Ob es für eine hohe Wahlbeteiligung spricht, wenn die Leute unter der Woche schon zur Mittagszeit vor dem Bürgeramt anstehen, um zu wählen? Zu hoffen wäre es ja. Beim nächsten Mal bietet sich zwar das gleiche Bild, aber diesmal habe ich mehr Zeit mitgebracht. Dabei geht es just nach dem Einreihen schon schnell voran, nach und nach wird der Schlange Einlass durch eine Drehtür gewährt.

Vor mir ist dann allerdings doch erst mal Schluss. So bleibt etwas Zeit, einen letzten Blick auf die umherhängenden Wahlplakate zu werfen: Kann mich doch noch jemand überzeugen oder umstimmen? Es ist ja tatsächlich für viele Menschen eine schwierige Wahl. Nicht so sehr, weil Angela Merkel oder Michael Müller nicht mehr antreten, sondern weil sich die einen nicht für die Kandidatinnen und Kandidaten erwärmen können und die anderen damit rechnen, dass sich ohnehin nicht viel ändern wird – egal, ob auf Bundes- oder Landesebene. Auf manche trifft sogar beides zu.

Die Diskussionen über eine allgemeine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre möchte den Jugendlichen doch eigentlich gerne ersparen, wer als Erwachsener schon einigermaßen desillusioniert ist. Ganz abgesehen von den ohnehin dürren Wahlversprechen für die jungen Leute.

Apropos Jugend: Ich bin immerhin der Jüngste unter den Wartenden. Ist die Briefwahl vor Ort im Bürgeramt eher etwas für Ältere? Die ist total praktisch, weil man sich die Wahl flexibel einrichten kann und selbst dann nicht verpasst, wenn man es am eigentlichen Wahltag mit einer plötzlichen Erkältung nicht aus dem Bett schafft.

Im nächsten Rutsch dürfen wieder fünf Wartende durch die Drehtür nach drinnen, ein Aufpasser weist uns an, vor den Fahrstühlen zu warten und nicht eigenmächtig nach oben zu fahren. Der Mann hinter mir scherzt mit seiner Begleiterin, er sei gleich 3G: „Getauft, geimpft, gewählt.“ Kurz darauf dürfen wir nach oben fahren, höchstens zu dritt, um dort nach kurzer Wartezeit zur Tat zu schreiten. Wirklich schwierig gestaltet sich nur, alle Wahlzettel am Ende in einen einzigen Umschlag zu quetschen und den Kleber so durchs feuchte Stempelkissen zu ziehen, dass er vernünftig schließt.