Berlin - Die Deutsche Presse-Agentur wählte am Wochenende eine für den Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Steffel noch schmeichelhafte Interpretation. „Reinickendorfer CDU verschickt Merkel-Wahlbriefe ohne Absprache“, stand da in der Überschrift. Denn tatsächlich handelte es sich um eine Fälschung. Ein Sprecher Steffels räumte dies indirekt auch ein.

In dem Brief steht unter anderem: „Mit Frank Steffel haben Sie seit acht Jahren einen ausgezeichneten und engagierten Abgeordneten und damit eine starke Stimme für Reinickendorf im Deutschen Bundestag. Gemeinsam mit ihm möchte ich unsere erfolgreiche Arbeit für Deutschland fortsetzen. Deshalb bitte ich Sie: Schenken Sie uns erneut Ihr Vertrauen und geben Sie beide Stimmen der CDU. Ihre Erststimme für Frank Steffel und Ihre Zweitstimme für die CDU.“

Merkel wusste nichts von dem Brief

Das Schreiben trägt einen Briefkopf und eine Unterschrift der CDU-Politikerin. Nur: Es ist nicht von Merkel. Und sie wusste auch nichts davon. Stattdessen haben Steffel oder seine Mitarbeiter den Brief offenbar selbst erstellt und eine Unterschrift darunter gesetzt, die Merkels Unterschrift bei Wikipedia sehr ähnelt.

Gegenüber der Bild und der B.Z. sprach ein Sprecher Steffels von einem bedauerlichen Missverständnis der CDU Reinickendorf. „Der Kreisverband handelte in guter Absicht, weil die politischen Botschaften des Schreibens auch völlig unstrittig sind. Die Bundespartei hat dies zur Kenntnis genommen und das Schreiben im Nachhinein gebilligt“, sagte er demnach. Im Nachhinein gebilligt heißt wohl so viel wie: Das Konrad-Adenauer-Haus lässt den Fall wegen des Wahlkampfes auf sich beruhen und macht dem Parteifreund keinen weiteren Ärger.

Vorwurf der Urkundenfälschung steht im Raum

Der Fall ist schließlich nicht bloß politisch heikel, sondern auch strafrechtlich. Es steht der Vorwurf der Urkundenfälschung im Raum. Die Landesgeschäftsführerin der Berliner SPD, Anett Seltz, stellte dem Berliner CDU-Generalsekretär Stefan Evers jedenfalls die Frage, „wie es dazu kommen kann, dass die Kanzlerin von dem Brief an die Wählerinnen und Wähler in Berlin nichts wusste“.

Steffel galt schon früher als nicht besonders geschickt. Als er 2001 mit damals 35 Jahren für das Amt des Regierenden Bürgermeisters kandidierte und als „Kennedy von der Spree“ angepriesen wurde, bezeichnete er München bei einem Besuch als „die schönste Stadt Deutschlands“ und „heimliche Hauptstadt“ – offenbar ohne das Bewusstsein, dass er in der Hauptstadt Berlin kandidiert.

Bei einem Wahlkampfauftritt mit dem damaligen CSU-Landesgruppenvorsitzenden Michael Glos und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber flogen Eier. Bilder zeigen, wie Steffel hinter den beiden in Deckung geht, um keine Eier abzubekommen. Gelächter und Gespött waren die Folge.

Der heute 51-Jährige aus Frohnau sitzt seit 2009 im Bundestag, fiel dort aber nicht groß auf außer durch die Forderung nach Ein- oder Zwei-Euro-Scheinen und einer Euro-Münze mit Helmut Kohl-Konterfei. Gelächter und Gespött für den plump gefälschten Brief gibt’s jetzt wieder gratis.