14.03.2018, Großbritannien, Gillingham: Soldaten tragen Schutzanzüge während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagent Skripal und dessen Tochter. 
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Der grüne Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir sagte der Berliner Zeitung: „Wir können keinen Unterschied machen zwischen Putin, dem Gashändler, und Putin, der die Opposition vergiftet. Nord Stream 2 ist nicht nur umweltpolitisch, sondern auch außenpolitisch ein ganz großer Fehler. Eine Pipeline, die die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland noch vertieft und die Kriegskasse des Kremls weiter mit Euros füllt, ist eindeutig nicht im europäischen Interesse. Ich hoffe, dass die Vergiftung Nawalnys die Bundesregierung endlich aufweckt. Es reicht nicht, die russische Politik nur zu verurteilen. Wir müssen dringend auch konsequent handeln.“ Die US-Regierung zeigte sich „zutiefst beunruhigt“ angesichts der Vergiftung Nawalnys.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, John Ullyot, teilte am Mittwoch auf Twitter mit, die USA würden mit Verbündeten und der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen in Russland zur Rechenschaft zu ziehen – „wohin auch immer die Beweise führen“.

Der britische Premierminister Boris Johnson schrieb: „Die russische Regierung muss nun erklären, was mit Herrn Nawalny geschehen ist – wir werden mit internationalen Partnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird.“ Die EU-Kommission verurteilte die Vergiftung, die Nato berief am Mittwochabend eine Sondersitzung ein.

Die Charité, die Nawalny behandelt, hatte die Bundeswehr um Hilfe bei der Aufklärung der Ursachen der Erkrankung gebeten. Nawalnys Urin- und Blutproben wurden im Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr in München untersucht. Das gut gesicherte Institut gehört zur Sanitätsakademie auf dem Gelände der Ernst-von-Bergmann-Kaserne im Norden der Stadt. Das Institut hat 50 Mitarbeiter, darunter drei Professoren, zahlreiche promovierte Mediziner, Chemiker, Biologen und Laborärzte. Es forscht im Bereich des Schutzes vor chemischen Kampfstoffen und entwickelt Gegenmittel und Therapien zur Behandlung von Vergiftungen durch Haut- und Nervenkampfstoffe und hat eine „Leitfunktion bei der medizinischen Aufklärung ungewöhnlicher Erkrankungs- und Todesfälle“.

Nach eigenen Angaben steht das Institut in intensivem Austausch mit anderen Einrichtungen und stimmt seine Verfahren mit diesen ab. Es stehe im aktuellen Fall auch im Austausch mit britischen Kollegen, sagt Matthias Frank, Sprecher des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, dieser Zeitung. Ein britisches Militärlabor hatte im Fall des ehemaligen britisch-russischen Doppelagenten Sergej Skripal ermittelt, dass dieser im März 2018 zusammen mit seiner Tochter in der Stadt Salisbury offensichtlich Opfer eines Anschlags mit Nowitschok geworden sei. Zuvor hatte es drei Nowitschok-Attentate auf einen russischen Waffenhändler, einen Banker und einen Chemiker gegeben. Nach den Worten von Matthias Frank war das Bundeswehr-Institut schon in anderen Fällen als Referenzlabor tätig geworden. „Es hatte aber noch nicht mit einem so prominenten Fall zu tun.“ Über die Verfahren, wie das Institut bei Nawalny der Nervenkampfstoff Nowitschok diagnostizierte, will das Institut aus Gründen der Geheimhaltung keine Angaben machen.  

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