Niederlehme/Potsdam - Sie waren auf dem Weg nach Hause. Doch für elf Insassen eines polnischen Reisebusses nahm die Fahrt am frühen Sonntagmorgen ein tragisches Ende. Sie wurden bei einem Unfall auf der Autobahn 10 unweit der Abfahrt Niederlehme (Dahme-Spreewald) schwer verletzt. Eine Frau erlitt schwerste Verletzungen, sie soll nach einer Operation außer Lebensgefahr sein.

Der Bus mit 69 Insassen an Bord gehört der Firma Star Turist und war im Auftrag des polnischen Unternehmens Sindbad in Richtung Polen unterwegs. Sindbad betreibt zwischen Westdeutschland und Polen einen Linienverkehr. Gegen 4.50 Uhr fuhr das aus Nordrhein-Westfalen kommende Fahrzeug auf dem Berliner Autobahnring in Richtung Autobahndreieck Spreeau, als es aus bisher ungeklärter Ursache von der Fahrbahn abkam.

„Der Bus fuhr nach ersten Erkenntnissen an einer Böschungskante entlang und kippte dann nach links auf die Fahrbahn“, sagte Polizeisprecher Ralf Meier. Bei dem Unglück wurden 51 Menschen verletzt. Davon erlitten elf Insassen schwere Verletzungen. Sie wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Am Nachmittag konnten drei von ihnen die Kliniken bereits wieder verlassen.

Die Leichtverletzten wurden im Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen versorgt, sie konnten am Mittag mit zwei Ersatzbussen ihre Fahrt nach Polen fortsetzen – ebenso wie die unverletzt gebliebenen Fahrgäste, darunter die beiden Busfahrer und die Busbegleiterin. Die Busfahrer sollen letztmalig im niedersächsischen Osnabrück ihre Plätze getauscht haben.

Die Autobahn in Richtung Polen war für die Bergungsarbeiten mehrere Stunden gesperrt. Nach Informationen des Lagezentrums der Polizei konnte die Sperrung um 12.17 Uhr wieder aufgehoben werden. Bis zum Nachmittag rollte der Verkehr wieder normal.

Über 200 Retter im Einsatz

Mehr als 200 Rettungskräfte waren am Einsatzort. Sie haben schnell und mit großer Umsicht gearbeitet, sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), als er die Opfer des Unglücks im Krankenhaus besuchte. An dem Bus entstand Totalschaden. Er wurde sichergestellt, ein technisches Gutachten in Auftrag gegeben. Die Polizei hat den Unfallgrund noch nicht heraus gefunden. Es werde einige Tage dauern, bis der Fahrtenschreiber ausgewertet ist. Die Aufzeichnungen werden Aufschluss darüber geben, ob der Fahrer zu lange am Steuer saß und deshalb vielleicht müde und unkonzentriert war.

Eigentlich wissen deutsche Busfahrer und die, die durch Deutschland fahren, dass die Lenkzeiten exakt eingehalten werden müssen und das auch häufig kontrolliert wird, sagen Sachverständige. Das Unternehmen Sindbad ist deutschen Behörden bekannt. Bereits am 20. Juli dieses Jahres war ein Bus, der im Auftrag des Unternehmens Sindbad fuhr, auf der Autobahn 4 bei Dresden verunglückt. Dabei kamen elf Menschen ums Leben, 69 Menschen wurden verletzt. Der polnische Doppeldecker-Bus war aus bislang ungeklärten Gründen auf einen ukrainischen Reisebus aufgefahren und daraufhin ins Schleudern geraten. Der Bus durchbrach die Mittelleitplanke und kollidierte im Gegenverkehr mit einem Kleinbus.

Busfahrten gelten als sicher

Busunfälle passieren in Deutschland wegen der strengen technischen Sicherheitsvorschriften relativ selten. Zuletzt war es am 18. Oktober dieses Jahres zu einem Busunfall gekommen. Auf der Bundesstraße 5 zwischen den Ortschaften Pessin und Friesack war ein Reisebus mit 46 Frauen aus Sachsen-Anhalt mit einem Renault frontal zusammengestoßen und anschließend gegen eine Eiche geprallt. Bei dem Unfall wurden die Fahrer getötet. Außerdem wurden alle 46 Fahrgäste verletzt. Sieben von ihnen schwer. Der 25 Jahre alte Fahrer des Clio war von der Fahrbahn abgekommen. Durch die Wucht des Aufpralls kam der Reisebus nach links von der Fahrbahn ab.

Drei Monate zuvor war auf dem Berliner Ring ein Lkw auf einen Reisebus aufgefahren. Darin saßen 51 Mädchen und Jungen und fünf Betreuer aus einer Schule in Märkisch Oderland. 14 Schüler wurden verletzt. Im September 2010 kam es zu dem bisherigen schwersten Busunfall in Berlin und Brandenburg. Ein Reisebus aus Polen prallte am Schönefelder Kreuz gegen einen Brückenpfeiler. 13 Menschen starben. Sie waren auf der Heimreise von Barcelona.