Der Rückzug von Pete Buttigieg verändert die Dynamiken im Wahlkampf der Demokraten.
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WashingtonPlötzlich hat der Kandidat es eilig. Er lacht, zeigt sich gut gelaunt und verbreitet Zuversicht. „Der Super-Dienstag ist nicht das Ende, es ist der Anfang“, verkündet Joe Biden im Sender ABC. Einem von unzähligen Interviews, die er am Wochenende gab, um von der kostenlosen Aufmerksamkeit der Medien zu profitieren, die nach seinem deutlichen Sieg in South Carolina wieder Interesse an dem längst totgesagten Kandidaten zeigten.

Zweifelsohne hat Biden der deutliche Sieg bei den ersten Vorwahlen im Süden Rückenwind für den Super-Dienstag verschafft. Er versucht, die Vorwahlen jetzt zu einem Zwei-Personen-Rennen mit Bernie Sanders zu machen. Einen Schritt weiter auf dem Weg dorthin kam der 77-jährige Kandidat, der im vergangenen Jahr als Favorit gestartet war, mit dem Rückzug des 38 Jahre alten Shooting-Stars der Demokraten Pete Buttigieg.

Buttigieg hätte nur geringe Chancen gehabt

Der Sieger von Iowa und Zweite von New Hampshire stieg nach den enttäuschenden Ergebnissen von Nevada und South Carolina aus dem Wahlkampf aus. Der schwule Bürgermeister von South Bend im US-Bundesstaat Indiana hatte nicht geschafft, bei den wichtigen Wählergruppen der Latinos und Afro-Amerikaner zu punkten. Umfragen zeigten, dass er nirgendwo in den Super-Dienstags-Staaten eine Chance hätte, die 15-Prozent-Marke zu knacken. Nur Kandidaten, die das schaffen, bekommen Delegierte zum Wahlparteitag der Demokraten im Juli.

Auf der „Convention“ in Milwaukee braucht ein Kandidat 1991 Delegierte für eine Mehrheit. Niemand hat diese Zahl klarer vor Augen als Sanders, der am Sonntag zu einer Reihe an Kundgebungen in Kalifornien reiste. Dort werden an diesem Dienstag mehr Delegiertenstimmen vergeben als in allen anderen Staaten zusammen.

Sanders Team gibt sich abwartend, Bloomberg ist offensiv

„Warten Sie mal ab, was in anderen Staaten passiert“, rät Sanders’ stellvertretender Wahlkampfmanager Ari Rabin-Havt zur Vorsicht, den Biden-Erfolg in South Carolina überzubewerten. Sanders Wahlkampfteam eröffnete hier 22 Büros, während Biden gerade mal eines hat. In Umfragen liegt er mit Abstand vorn.

Die massive Werbung Michael Bloombergs in Kalifornien und allen anderen Super-Dienstag-Staaten könnte Biden entscheidende Prozentpunkte kosten. Der Milliardär gab bisher bereits eine halbe Milliarde Dollar im Wahlkampf aus und strahlte am Sonntag einen Drei-Minuten langen TV-Spot aus. Bloomberg machte keine Anstalten, aus dem Rennen auszusteigen, bevor die Wähler heute zum ersten Mal die Möglichkeit haben, ihr Kreuz hinter seinem Namen zu machen.

Sollte Sanders der einzige Kandidat sein, der die 15-Prozent-Hürde in Kalifornien nimmt, den zweitgrößten Bundesstaat Texas für sich entscheidet, in Massachusetts an Elizabeth Warren und in Minnesota an Amy Klobuchar vorbeizieht, wird es schwierig für jeden anderen Kandidaten.