London - Der Chef der britischen Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica (CA), Alexander Nix, ist von dem Unternehmen freigestellt worden. Das teilte das Unternehmen in einer Mitteilung am Dienstag mit. Nix bleibe für die Dauer einer vollständigen, unabhängigen Untersuchung der Vorgänge in dem Unternehmen suspendiert. 

Die weiteren Sätze der Erklärung des CA-Aufsichtsrats sind eine scharfe Kritik an Nix: „Nach Ansicht des Aufsichtsrats repräsentieren Herrn Nix' jüngste Kommentare, die heimlich von Channel 4 aufgenommen wurden sowie andere Behauptungen, nicht die Werte oder Tätigkeiten des Unternehmens. Seine Suspendierung spiegelt die Ernsthaftigkeit wider, mit der wir diese Verletzung der Werte des Untenehmens betrachten.“

Verschiedene Zeitungen hatten am Wochenende berichtet, Cambridge Analytica habe die Daten von 50 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks Facebook ohne deren Wissen gesammelt. Die britische Firma soll die Daten für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump eingesetzt haben. 

Doch es ging auch um andere Wege der Beeinflussung von Wahlen durch das Unternehmen. Bei Undercover-Recherchen von Reportern des britischen TV-Senders Channel 4 prahlt Nix, um negative Informationen über politische Opponenten zu beschaffen, könne seine Firma „Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken“. Ukrainerinnen seien „sehr schön, ich finde, das funktioniert sehr gut“. 

Damit verscherzte er sich offenbar jeden Kredit im Aufsichtsrat von CA.

Unterdessen gerät auch Facebook und dessen Gründer und Chef, Mark Zuckerberg, immer stärker unter Druck. Nach ähnlichen Initiativen in den USA und Großbritannien lud am Dienstag auch das EU-Parlament  Zuckerberg ein, um sich zu erklären. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, das Parlament habe Zuckerberg „eingeladen“. Facebook müsse „vor den Vertretern von 500 Millionen Europäern klarstellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratie zu manipulieren“.

In den USA und Großbritannien soll es Ermittlungen gegen Facebook geben. Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham strengte zudem Ermittlungen gegen die Firma Cambridge Analytica an, deren Chef suspendiert wurde. Sie teilte mit, einen Durchsuchungsbefehl gegen Cambridge Analytica erwirken zu wollen.

Das Unternehmen habe sich auf Anfragen nach Einsicht in seine Daten „unkooperativ“ gezeigt. Außerdem prüfe sie, inwiefern Facebook die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten habe und ob es „angemessen reagiert“ habe, als die Dinge aus dem Ruder liefen. Laut US-Medienberichten leitete die US-Handelsaufsicht FTC Ermittlungen gegen Facebook ein. In New York und Massachusetts teilten die Staatsanwaltschaften mit, schriftlich Aufklärung von Facebook eingefordert zu haben. (ps, afp)