Berlin - Die Briten haben einen Premierminister, der ihnen versprochen hat, keinen weiteren Penny in die Rettung des Euro zu stecken. Sie haben einen Premierminister, der Brüssel mehr Macht abringen will. Sie haben einen Premierminister, der ihnen für den Fall eines neuen EU-Vertrags gesetzlich eine Volksabstimmung zugesteht. Sie haben einen Premierminister, der sich erst am Sonntag in der Europafrage mit dem französischen Präsidenten überwarf. Und eben diesem Premierminister, dem konservativen David Cameron, haben seine Tory-Parteikollegen nun eine heftige Blamage bei der Abstimmung über ein Plebiszit zur EU-Mitgliedschaft zugefügt.

Der Grund für diese leicht absurde Haltung ist, da sind sich Politikexperten einig, rapider Vertrauensverlust. Die Tories misstrauen Camerons Europapolitik. Sie misstrauen ihrem Koalitionspartner, den Liberaldemokraten, die ein sehr entspanntes Verhältnis zu Europa haben. Und sie misstrauen generell der Koalition, einer seltenen Regierungsform auf der Insel, weil sie die rein konservative Lehre zu Kompromissen zwingt. Schuld ist David Cameron, weil er bei den Wahlen keine absolute Mehrheit gewann. Was das mit Europa zu tun hat? Wie gesagt, Logik sucht man im britischen Euroskeptizismus manchmal vergeblich.