BerlinDer Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat in seiner Abschiedsrede als Landesvorsitzender am Freitagabend einen Mann besonders attackiert. Es handelt sich dabei um den CDU-Bundestagsabgeordneten Jan-Marco Luczak. Dieser, so Müller, sei „der schlimmste Immobilienlobbyist im Deutschen Bundestag“. Dorthin, nämlich in den Bundestag, will auch Müller, wenn im nächsten Jahr gewählt wird. Womöglich werden die beiden sich dann heftige politische Gefechte liefern.

Der attackierte Luczak nimmt die Sache gelassen. „Damit muss man wohl leben, wenn man eine andere Meinung zur Wohnungs- und Baupolitik hat als die Sozialdemokraten“, sagte er am Samstag im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Er hatte Müllers Rede am Freitagabend nicht selbst verfolgt. „Danach hat mich aber sehr schnell jemand darauf aufmerksam gemacht“, sagt der 45-Jährige. „Die Attacke von Michael Müller ist nichts anderes als der billige Versuch vom eigenen Versagen beim Neubau abzulenken.“ 

Luczak kreidet dem Regierenden dagegen einen Wortbruch beim Thema Mietendeckel an. So habe Müller öffentlich erklärt, dass es mit ihm keine Mietenabsenkung gebe. „Und was ist passiert? Müller konnte sich nicht durchsetzen und jetzt kostet der durchsanierte Altbau am KuDamm mit dem Zahnarzt als Mieter nur noch die Hälfte. Sozial ist das nicht.“

Der Jurist Luczak ist in der Unionsfraktion tatsächlich nicht ohne Einfluss. Er ist Mitglied des Fraktionsvorstands sowie rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Und er hat für seine Partei auf Bundesebene die Klagen gegen den Mietendeckel koordiniert. „Diese Politik kommt nur denjenigen zugute, die aktuell eine Wohnung haben. Für alle anderen ist diese Politik ein Desaster“, sagt er. Wer neu in die Stadt komme oder eine andere Wohnung suche, habe jetzt geringere Chancen als vorher. „Das Angebot an Mietwohnungen in Berlin ist drastisch um 42 Prozent eingebrochen.“ Der CDU-Mann hält den Wohnungsbau für die einzige Möglichkeit, um die Wohnungssituation in der Hauptstadt zu entschärfen.

Luczak und Müller kennen sich seit langem – sie sind beide aus dem gleichen Bezirk. Bei den Abgeordnetenhaus-Wahlen 2006 trat Luczak für die CDU als Direktkandidat im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg 4 an, unterlag jedoch dem damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Michael Müller. Drei Jahre später ging Luczak in den Bundestag. Das Mandat eroberte er als Direktkandidat und verteidigte es seither zweimal. Eine direkte Entscheidung der Wähler zwischen ihm und Müller wird es im kommenden Jahr nicht geben. Der Regierende Bürgermeister tritt für den Bundestag bekanntlich im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf an. Luczak bekommt es mit Kevin Kühnert und Renate Künast zu tun.